Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

Romane · Kurze Prosa · Lyrik · Essays · Kinderbücher · Theatralisches
Künstlerische Photographie · Kopier-Kunst · (Material)Bilder



TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018, das vierte (2017-2018) 2019 (siehe unter AKTUELLES).

1. Januar 2023
Jede Gesellschaft kann nur vorwärtsgehen, wenn sie an ihren kleinen und kleinsten Minderheiten vorbeigeht und sich nicht von ihnen zurückzerren läßt.

2. Januar 2023
Nur Narren glauben einem Narrativ.

3. Januar 2023
Narren erzählen das Narrativ nach, das ihnen Verbrecher vorgesprochen haben.

4. Januar 2023
Man muß die Pflicht FÜHLEN, um zu beginnen, sie zu lieben und ihr zu gehorchen.

5. Januar 2023
Was der Eishai demonstriert: Ein langes Leben setzt Kälte und Langsamkeit voraus und in sich zu ruhen. Ein scharfes Gebiß kann dabei im übrigen nicht schaden.

6. Januar 2023
Kämen doch Sterndeuter aus dem Osten und ein Stern vor ihnen her! Und eine Epiphanie, wo wir sie nicht vermuten.

7. Januar 2023
Wir sprechen in einen leeren Raum. Aber wir hören doch uns selbst und manchmal ist es so, als würde uns jemand zuhören.

8. Januar 2023
Die Leere in uns dämpft unsere Worte.

9. Januar 2023
MEINE Worte wären die, die außer mir niemand verstehen kann.

10. Januar 2023
All die abgetretenen Bekannten und Unbekannten: Plätze freizumachen ist eine Vorbedingung für freie Plätze.

11. Januar 2023
Erhöht sich die Verbrechensrate, weil davon gesprochen und geschrieben wird? Würde sie durch Märchen und Träumereien gesenkt werden?

12. Januar 2023
Von ihren Erbhöfen her rufen die Hofreiter dazu auf, aufzusitzen und gen Ostland zu reiten.

13. Januar 2023
Der praktische Beweis, daß der Nationalsozialismus eine politisch-pathologische Erkrankung war: Gerade die beiden Menschengruppen, die er am meisten verachtete, nämlich die Juden und die angeblichen slawischen Untermenschen, überstanden ihn besonders siegreich und unangefochten.

14. Januar 2023
Es ist keine Deutschenfeindlichkeit, sondern entspringt oft genug der Liebe zu Deutschland, wenn jemand konstatiert, daß es unter den Deutschen etliche Verbrecher und Idioten gibt, genausowenig wie es Antisemitismus sein muß, wenn jemand das Gleiche von den Juden sagt.

15. Januar 2023
Bewußter Ignorant oder bedauernswerter Dummkopf, wer in Bezug auf 1871 von einer Annexion von Elsaß-Lothringen spricht und 1919 nicht von der zweiten Annexion nach der zwischen 1648 und 1766 vollzogenen ersten.

16. Januar 2023
Wer sich als Nachgeborener schuldig fühlt, fühlt sich, ohne dies zu bemerken, als Nazi-Wiedergänger. Er sollte unbedingt büßen, denn man kann und darf Wahnsinnige nicht an ihrem Wahn hindern, gleichgültig ob sie glauben, Reparationen im Namen ihrer Großeltern zahlen zu müssen oder sich erschießen, um die Genickschüsse zu sühnen. Nichts wird gut durch Schlechtes.

17. Januar 2023
Der vergebliche Appell an die Geschichte, sie möge doch stillstehen und ihr Rad anhalten, das so viele Unschuldige und Unbeteiligte zermalmt.

18. Januar 2023
Ohne die Bereitschaft, für verrückt erklärt zu werden und es tatsächlich zu sein, gibt es keinen Glauben.

19. Januar 2023
Eine Kirche kann für die Welt als Fiktion da sein oder für die wirklichen Menschen.

20. Januar 2023
Wer nicht an Gott glaubt, meint, an anderes zu glauben. In Wirklichkeit glaubt er an nichts und glaubt nicht.

21. Januar 2023
Betend bitten, niemals etwas verlangen und zur Bedingung machen.

22 Januar 2023
Die, die nicht glauben, richten sich selbst.

23. Januar 2023
Die erste Vorbedingung, um etwas zu sein, ist: nichts werden zu wollen.

24. Januar 2023
Nimm an, es ist unsere Aufgabe, die Welt anzunehmen wie sie ist.

25. Januar 2023
Verräter aus Angst vor dem Verraten-Werden.

26. Januar 2023
Denen, die keine Deutschen sein wollen, sollte man behilflich sein.

27. Januar 2023
Als erstes müssen die Verschwörer es ächten, daß an Verschwörungen gedacht und über sie gesprochen wird.

28. Januar 2023
Wer besonders schnell redet wie der vielsagende Albrecht von Lucke, der will nicht, daß der Zuhörer folgen kann und durch Nach-Denken auf die Fehler und Heimlichkeiten des Temposchwaflers aufmerksam wird.

29. Januar 2023
Die kleiner werdende Welt des alten Hundes: Er nimmt die Abenteuer vor seiner Nase als Abenteuer, sucht nicht mehr.

30. Januar 2023
Die Straße war die beste Schule für dein Leben. Aber auch auf der besten Schule kannst du das Schlechteste lernen.

31. Januar 2023
Wir haben keine Zeit. Wegen des Nicht-Habens.

31. Dezember 2022
Es fehlt nicht an Gedanken. Es fehlt an dem, was Fakten schafft.

30. Dezember 2022
Laßt die Menschen nach ihren Empfindungen entscheiden und die Mörder werden jubelnd ihren Empfindungen folgen.

29. Dezember 2022
Von Moral wird man bei den großen französischen Moralisten so gut wie nichts finden, aber dafür von den Sitten ihrer Zeit und von dem, was in allen Zeiten hinter den Sitten steht.

28. Dezember 2022
Sie fühlen sich frei, weil sie nichts von der Geschichte wissen, die Gegenwart hineinpressen in ihr Reservoir an Vorurteilen, die Zukunft mit Angstphantasien imaginieren, weil sie frei sind von der Bindung an Werte außerhalb ihrer Vermögensaufstellungen und weil ihre Blindheit sie davor bewahrt, sich und ihre Nichtigkeit zu sehen.

27. Dezember 2022
Soll man an anderes als an das Vordringen der Minderwertigen und das Anbranden eines barbarischen Pöbels denken, wenn mediengestützt KleinstautorINNEN versuchen, mit durchgängiger Genderei von ihren Mitbewohnenden zu berichten und dies - das Publikum zum Objekt ihrer Anschläge machend - bei einem der angeblichen Publikumsverlage tun? Unterschritten wird das nur von jenen Deppen, die lange darüber brüten zu müssen meinen, ob sie in ihrem Gekleister schändern sollen oder nicht.

26. Dezember 2022
Von uns Enkeln von Kolonisten eine bruchlose Verurteilung des Kolonialismus zu verlangen, ist reichlich vermessen.

25. Dezember 2022
Wer Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, diese von jedem Ort und jeder Geschichte losgerissene faule Frucht der globalistischen Verwüstungen, diesen offen antiweißen Rassisten und Ultra-Antisemiten, an die Spitze des Berliner Hauses der Kulturen stellt, der kann auch ausgehungerte Löwen in seinen Salon und sein Kinderzimmer einladen.

24. Dezember 2022
Das „Info“ zum Darmstädter Park Rosenhöhe informiert uns über Frank Thiess, die Nazis hätten die Werke dieses Dichters der Inneren Emigration „geachtet“ und „In den sechziger Jahren verfasste er für extrem konservative, sogar als rechtsradikal einzustufende Zeitschriften Beiträge.“ Schreibt einer dieser Lumpen auch: „Bert Brecht verfaßte in den fünfziger Jahren für extrem linksfaschistische, sogar als ultrastalinistisch einzustufende Zeitschriften Beiträge“?

23. Dezember 2022
Als der zwanzigjährige Kaiser Otto III. im Jahr 1000 in Gnesen erschien und Boleslaw den Tapferen entweder zum König erhob oder ihn zumindest mit königlichen Rechten versah, um mit ihm gemeinsam gegen heidnische Stämme zu kämpfen, wie hätte er ahnen können, was eintausend Jahre später zwischen den Völkern geschah?

22. Dezember 2022
Wir sollten unseren Feinden auf Dauer das Rederecht garantieren.

21. Dezember 2022
Alle Verräter streiten ab, Verräter zu sein. Alle Verräter behaupten unbelehrbar, sie hätten dazugelernt.

20. Dezember 2022
All die idealen Narren, die 1919 glaubten, die Stunde der neuen Welt sei gekommen. Es waren wenige, die wie Eugen Leviné sahen, daß die einzelnen Erhebungen in großen Städten die Revolutionierung des ganzen Landes nicht ersetzen konnten. Er blieb an der Front und tat das, was er als seine Pflicht ansah – mit dem Wissen, daß er ein Toter in einem ausgesprochen kurzen Urlaub war.

19. Dezember 2022
Der Kultus des Todes bei der SS: Nicht allein die Totenköpfe, sondern auch der vernichtende Blitz und über allem Sansaras Rad, das alle überholt und überrollt.

18. Dezember 2022
Wahrscheinlich sind Klassen- und Rassenhaß nicht vollständig auszurotten, aber sie können und müssen an den Rand gedrängt werden durch Verbote und Sanktionen. Ein fundamentaler Fehler war es 1918/19, die entsprechenden Parteien nicht zu verbieten und aufzulösen.

17. Dezember 2022
Während die meisten rechten Gewaltapostel sich nach einigen Jahren frustriert ins Privatleben zurückziehen, nehmen viele linkselnde Gewalttäter ihr frustrierendes Scheitern in ihrem ersten politischen Leben als Wink des Schicksals, einen Neustart zu wagen im Schlagschatten des Staates, als dessen Schutztruppe – mit harten Worten und harten Maßnahmen.

16. Dezember 2022
Was können Feministinnen und Feministen zu Hillary Clinton, Nancy Pelosi und Liz Cheney sagen? Vielleicht, daß bestimmte Exemplare nicht gegen die Berechtigung eines Anliegens ins Feld geführt werden können.

15. Dezember 2022
Wie soll man eine Ministerin nennen, die aktiv eine Faschisierung des Staates und der Gesellschaft betreibt? Könnte man sie als Neofaschistin bezeichnen? Sie wird das zurückweisen, da sie keinen braunen Hosenanzug trage und kein Totenkopf-Käppi.

14. Dezember 2022
Wir, die Minderheit der tatsächlichen Demokraten, verlangen, daß wir beteiligt werden – und zwar gleichberechtigt, aufrecht, auf Augenhöhe, nach dem Prinzip ONE MAN, ONE VOTE.

13. Dezember 2022
Nur in einem idealen Staat ist STAATSFEIND kein Ehrentitel.

12. Dezember 2022
Propaganda des gewünschten afrikanisch-europäischen Mischtyps mit einem hellbraunen Kind mit Haarkrause in den Winterwunderversprechungen des Freizeitparks De Efteling. Mehrfache Kastration.

11. Dezember 2022
Nicht der Gebrauch des Wortes NEGER ist der Rassismus, wenn er nicht als bösartige Beschimpfung benutzt wird, sondern der gezielte Mißbrauch Farbiger, erst recht der süßer Kinder, in der Werbung, die ohnehin zu neunundneunzig Prozent eine Mischung aus Täuschung, Betrug und Menschenverformung ist.

10. Dezember 2022
Es ist ein Beispiel für die Verkommenheit der Medien, wenn der Deutschlandfunk in einer Debatte über die Energiekrise und die Sanktionen gegen Rußland zwei etablierte fanatische Sanktionsbefürworter der Stahlhelmparteien eine einzige Gegnerin, noch dazu eine Abgeordnete der kleinsten Oppositionspartei, gegenüberstellt und die AFD als die größere Oppositionspartei gezielt ausschließt. Erbärmlich ist auch, daß alle Oppositionsparteien sich darin einig zu sein scheinen, nicht das Recht der jeweils anderen auf Gehör und Stellungnahme einzufordern.

9. Dezember 2022
FREEDOM: Freie Herrschaft, nicht Herrschaftsfreiheit in den Dominions ist gemeint.

8. Dezember 2022
Wer vom Völkerball kommt, sollte wissen, daß selbst dort die besser Spielenden gewinnen und nicht die moralisch Überlegenen.

7. Dezember 2022
Schlechte Umfrageergebnisse für die Regierung? Dann wird es Zeit, entweder einen Krieg zu beginnen oder zumindest eine Razzia nach altarabischem Muster anzuberaumen.

6. Dezember 2022
Der Bismarcksaal sollte in Mickey-Mouse-Saloon umbenannt werden, der Hindenburgdamm in Neue Seidenstraße.

5. Dezember 2022
Ob Lustknabe oder nicht, ob Prinz aus einem der kleinen höheren Häuser oder halbblinder Maurer, ob gutwillig-dumm oder böswillig-dumm – was wären die Herrscher ohne freiwillige und unfreiwillige Helfer? Wer möchte schon seine Schweinereien ganz allein begehen und ohne Rechtfertigungsanschein.

4. Dezember 2022
Die Hilflosigkeit der Mörder sich selbst gegenüber.

3. Dezember 2022
„Hände hoch! Europa-Polizei!“, schrien die drei Räuber und hielten ihre selbstgefertigten Dienstausweise hoch. „Endlich“, kam die Antwort des alten Mannes aus seinem Fernsehsessel, „seit dreißig Jahren warte ich darauf, daß ihr vorbeikommt.“ Ohne weitere Meinungsäußerung erschoß er die in echt gescheiterten falschen Staatsbüttel.

2. Dezember 2022
Jede Macht benötigt in der Opposition eine genügende Anzahl allzeit verwendbarer Spinner.

1. Dezember 2022
Ich habe die Regierung wegen Verächtlichmachung des Staates angezeigt.

30. November 2022
Wachsam bleiben, unter Waffen bleiben!

29. November 2022
Kein Kriegsverbrecher solle ungesühnt bleiben, äußert ein bildungsbedürftiger Bundesjustizminister. Würfe er den ersten Stein, fiele ihm dieser aus Ungeschick auf die Füße.

28. November 2022
Wir Schreiber und Abzeichner haben weder von Gott und den Menschen den Auftrag, die Welt zu verschönern und zu vergolden, noch den Auftrag, sie zu verbessern. Wir haben das Vorgefundene anzunehmen. Wir können hoffen, ohne anderen unsere Hoffnungen aufzuzwingen.

27. November 2022
Nenne mir einen Fortschritt, der nicht vorwärts führt und näher an einen Untergang, seinen Untergang.

26. November 2022
Wir vergessen zu wenig und wir vergessen das Falsche. Wären wir doch in der Lage, alles zu verdrängen! In ein Vakuum, das endlich die Absolution liefert.

25. November 2022
Schlimmer als die Angst, allein zu sein in der Welt, und die Angst, nicht allein zu sein, ist die solide Furcht, daß wir nicht wissen werden, was schlimmer ist.

24. November 2022
Alles Mögliche läßt sich über das Nichts sagen.

23. November 2022
Manchmal erhalten wir vor unserem Tod noch einen Bericht mit einem anderen Blick auf vergangene Ereignisse. Der größere Rest treibt weiter in Mutmaßungen und Poesie hinein.

22. November 2022
„Ja“, sagte der Tod, „du möchtest nicht sterben. Aber dann hättest du Gewalt über mich und mehr Macht als ich. Aber selbst wenn ich bereit wäre, es dir zuzugestehen, müßtest du zuerst Gott fragen, ob er will, daß du Macht über ihn hast.“

21. November 2022
Der Landjunker verachtet die Plebejer und die Hofaristokraten, schon weil er sie nie begreifen wird. In den schlammverschmierten Stiefeln tagsüber, in den Lackschuhen bei abendlichen Festen lebt er seine Gegensätzlichkeit und hat seinen Halt an der Erde und den Träumen.

20. November 2022
Nur die Huren nennen als erstes ihren Preis.

19. November 2022
Gelegentlich haben wir in Einzelheiten recht, aber wie alle anderen auch haben wir nicht das Recht.

18. November 2022
Vom positiven Beispiel anderer Menschen kann man sich anregen, begeistern und ermutigen lassen. Man kann und darf nicht davon lernen. Lernen kann man vom negativen Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

17. November 2022
Die Unerläßlichkeit der Sprache. Was für uns Sünde ist, ist das, was wir Sünde nennen, ob lauthals oder still in Gedanken. Dieses Recht dürfen wir uns nicht von den professionellen Sündern und Sündeleugnern nehmen lassen.

16. November 2022
Wer abstreitet, daß Menschen schon immer gekämpft haben gegen die, die sie beherrschen wollten, und zwar völlig unabhängig von der Frage, wer Recht hatte und wer moralisch besser oder schlechter war, der will entwaffnen und den Herrschern den Weg frei machen.

15. November 2022
Die elementare gesellschaftliche Bedeutung der Solidarität und der Toleranz. Beides gehört eng zusammen: Ich denke nicht wie du denkst, aber ich lasse dich und dein Denken zu. Das Problem der prinzipiell Intoleranten und Unbelehrbaren bleibt – man muß je nach ihrer Gefährlichkeit entscheiden, wo sie bleiben. Im ungünstigsten Fall vorbeugend vor sich selbst geschützt.

14. November 2022
Du magst den Wahnsinnigen knapp warnen, aber du solltest seinem Vormarsch, wenn er denn allein bleibt, nicht im Weg sein.

13. November 2022
Von den alten ehemaligen Freunden sollte man sich nichts erwarten. Hilfreich können Feinde sein, die wir für unseren Coup brauchen können und die uns für ihren Coup brauchen. Ein befristetes Bündnis ist mehr wert als eine unbegrenzte Hoffnung auf einen ausbleibenden Alliierten.

12. November 2022
Man muß den Regierenden dankbar sein, daß sie unseren Schlaf verhindern und uns in wacher Wut halten.

11. November 2022
Waren die Wenigen denn je mehr?

10. November 2022
Rücksicht und Blicke zur Seite sind hilfreich im alltäglichen Friedensleben. In der Gefahr sind sie gefährlich.

9. November 2022
Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall einer Einladung aus dem und ins Schloß an uns Strolche und Bettler: Wer will uns unser vielfach durch Bestätigung genährtes Mißtrauen verdenken, daß uns womöglich ein Haushofdomestik eine Falle stellt, um uns auszurotten? Wen würde es verwundern, wenn wir innerhalb der Schloßmauern uns in kleinen Schritten bewegten, hinundhergerissen zwischen Ohnmacht und Koterbrechen? Wenn die Gnade unserer Anhörung bei uns Ekel und Fluchtwünsche auslöste?

8. November 2022
Angreifen sollte man nur, wenn man sicher siegt. Daß dies so selten ist, spricht dafür, ein bewaffneter Friedensheld zu bleiben.

7. November 2022
Notwendig retten die Mächtigen im günstigsten Falle die ohne sie Überlebenden.

6. November 2022
Der Platz auf der untersten Stufe der Treppe ist am bequemsten und am sichersten. Nur die Aufsteiger werden abstürzen.

5. November 2022
Der Anfang entscheidet über die Richtung – bis zur freiwilligen oder erzwungenen Umkehr.

4. November 2022
Verletzlich ist auch der Gepanzerte, wenn er auch nicht immer stark verletzt wird. Aber auch der Versuch des Verletzens wird ihn verletzen.

3. November 2022
Die für uns wirklich bedeutsamen Ziele sind nur in unserem Kopf sichtbar.

2. November 2022
Wir sammeln Ergebnisse und vergessen darüber die Suche.

1. November 2022
Wie soll das Licht uns schützen?

31. Oktober 2022
Was soll man zum Tod sagen?

30. Oktober 2022
Die Masse kann ein Schutz sein, solange die einzelnen nicht ins Straucheln geraten und erdrückend werden.

29. Oktober 2022
Wer nach dem Publikum fragt und sich davon abhängig macht, daß dieses Schlange steht, sollte ein Publikationsverbot erhalten.

28. Oktober 2022
Kunst muß unzugänglich sein und sie muß Gefühle wie Respekt, Anbetung, Erschrecken, Begeisterung wecken.

27. Oktober 2022
Die Literatur, auch die der Realisten, hat mit der Wirklichkeit zu tun, aber nichts ist genauso wie es sich da draußen ereignet hat.

26. Oktober 2022
„MEINE LESER“: Daß jemand in einem Buch von mir geblättert hat, konstituiert noch keinen Besitzanspruch auf ihn.

25. Oktober 2022
Von Telemanns spielsüchtiger und fremdgehender Frau hören wir nur wegen seiner Musik.

24. Oktober 2022
Wer einen Bann gegen russische Künstler wie Anna Netrebko fordert, ruft danach, ihn aus dem Kulturbetrieb zu streichen.

23. Oktober 2022
Welches Glück, nicht aufzufallen mit den umstürzenden Berechnungen, die das Ende der Nacht markieren, nicht gelesen und nicht verstanden zu werden!

22. Oktober 2022
Wir rechnen mit unserer Zeit und können doch nicht rechnen, verrechnen uns immer in dem, was uns noch bleibt. Selbst Rasputin, der exakt dem Zaren die Blutströme und seinen Untergang prophezeite, kannte nicht seinen eigenen Todestag.

21. Oktober 2022
Warum Gott mit der Menschheit beschweren?

20. Oktober 2022
Gott hat die Welt gemacht. Wir behaupten, uns Gedanken zu machen, aber wir bringen nur Gefühle in Worte und verknüpfen diese Aussagen in unserer Logik.

19. Oktober 2022
Immer oder nie ist das Himmelreich nahe: Es ist uns weder gegeben, den Abstand auszumessen noch ihn zu verändern.

18. Oktober 2022
Nur noch Reste der Klarheit aus den Träumen. Zuviele zerbrochene Teile, die verlorengingen.

17. Oktober 2022
Die Sonne oder die Sonnen – welch eine Differenz!

16. Oktober 2022
In jedem Augenblick der Liebe der Wunsch, es möge ewig sein, und das Gefühl, gerade das nicht einhalten zu können.

15. Oktober 2022
Im Wittgensteiner Land werden wegen der Geldgier einiger lebens- und naturfeindlicher „Waldbauern“ die ausgewilderten Wisente wieder hinter Gitter gebracht. Sollte man nicht einen Wisent - vielleicht mit einem Auerochsen als Mitdiskutanten - um ein klärendes Gespräch mit einem der Beschwerdeführer bitten? Der kann danach erneut klagen, allerdings diesmal ohne Rechtsverdreher und ohne Gericht.

14. Oktober 2022
Wenn Indianer sich selbstbewußt „Indianer“ nennen würden, Zigeuner „Zigeuner“ und Neger „Neger“?

13. Oktober 2022
Ich werde die Zigeunerblume weiter Zigeunerblume nennen.

12. Oktober 2022
Man kann Verständnis haben dafür, daß bestimmte Nationalsozialisten niemals sich aus dem Gefängnis ihrer Irrtümer und ihrer Ideologie befreien konnten. Unverständlich bleibt, wie man da einen grundsätzlichen Unterschied finden kann zu jenen, die genauso gefangen blieben in ihrer Selbsteinkerkerung im Leninismus und Stalinismus wie Bert Brecht.

11. Oktober 2022
Manchmal können die Retter sich retten. Auf Dank können sie selten genug rechnen, wie Wilm Hosenfeld, Max Otto Wurmbach, Carl Engel als Opfer russischer und Rudolf Petershagen als Opfer amerikanischer Rachejustiz bezeugen.

10. Oktober 2022
Niemals wird die Zukunft dich willkommen heißen.

9. Oktober 2022
Die Mythen lassen uns größere Freiheiten als die Gesetze.

8. Oktober 2022
Je größer das Haus ist, umso mehr Platz nehmen Staub und Schimmel ein.

7. Oktober 2022
Die schottischen Generäle waren ebenso wie die Hugenotten ein Segen für Preußen und ein wohldosiertes Gewürz.

6. Oktober 2022
Jede Erkenntnis nimmt uns eine unserer Illusionen.

5. Oktober 2022
Wer bedankt sich schon für eine Quittung des Schicksals?

4. Oktober 2022
Deutschland geht voran, um auch beim Absturz der Erste zu sein.

3. Oktober 2022
Die Revolution von 1789 und die Vendée gehören so untrennbar zusammen wie der Krieg und die Kriegsverbrechen.

2. Oktober 2022
Es ist ein Fehler, nicht strikt zu trennen zwischen technischen Fortschritten, deren Endergebnisse und Folgen stets ungewiß sind, und den Zugewinnen an Tradition in geistiger Erkenntnis, geschichtlicher Erfahrung und Spiritualität.

1. Oktober 2022
Die Wiederkehr der Vergangenheit ist der unerfüllbarste Wunsch.

 zum Seitenanfang