|
TAGEHEFT
ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018, das vierte (2017-2018) 2019, das fünfte (2019-2020) 2021, das sechste (2021-2022) 2023, das siebte (2023-2024) 2025 (siehe unter AKTUELLES).
1. April 2025
Wenn zuviele Menschen kommen, verschwinden viele Menschen, die vorher schon da waren.
2. April 2025
Glut ohne Feuer? Zusammenschweißen ohne Druck?
3. April 2025
Immer wieder in der Geschichte haben Imperatoren und Usurpatoren die Fahne der Befreiung und Selbstbestimmung geschwenkt, um naive Menschen zu täuschen.
4. April 2025
Für sich genommen hat jeder Recht. Aber nicht alle können ihm rechtgeben und ihm ihr Schicksal verpfänden. In der Grammatik kommt das ICH vor dem DU. Wer will einem Menschen sein Terrain verweigern und die Waffen, mit denen er sich im Notfall verteidigen kann?
5. April 2025
Menschen, die in der Fremde nicht zurechtkommen, stehlenden Gästen, in die Arbeitsverweigerung oder ins Streunen flüchtenden Flüchtlingen muß man helfen, in geeignete Umstände zurückzukehren.
6. April 2025
Großzügigkeit muß man sich leisten können. Selbstloses Verteilen des Eigenen ist beim Einzelmenschen hinzunehmen und gelegentlich sogar klug. Staaten, Nationen und Völker dagegen sind zu ihrem gesicherten Überleben darauf angewiesen, zuerst an sich und die eigenen Leute zu denken.
7. April 2025
Die Missionare des grenzenlosen Verschenkens müssen gelegentlich einen Kassensturz machen und sich ihren Begrenzungen anpassen.
8. April 2025
Neben unserer eigenen engen Welt so viele andere – die der Flaschensammler, die der Clankriminellen, die der Versorgungsfixierten – und alle in einem einzigen Strom, der uns bewegt, wie es ihm gefällt.
9. April 2025
„Frohe Zukunft“ ist nur eine Haltestelle, ein Endpunkt einer Vorortlinie.
10. April 2025
Die Zeit, in der dein Vorname wieder in Mode ist, wirst du nicht erleben.
11. April 2025
Man kennt allenfalls einzelne formal anspruchsberechtigte Erben in ihrer Jugend.
12. April 2025
Das Siegerlachen der jetzt noch Armen, die nach Vorrechten für sich rufen.
13. April 2025
Angebliche Sorge um einen Menschen ist in der Regel der blanke egoistische Übergriff.
14. April 2025
Auch ein feiner Zwirn überdeckt nicht die Löcher von der Schmerzensstraße und vom Dornenweg.
15. April 2025
Der Späher riskiert seinen Tod. Auch der Einbrecher, der Räuber, der Schläger gehen dieses Risiko ein. Warum wagen sie, einen gezielten Schuß abzubekommen?
16. April 2025
Je älter man wird, umso mehr erhalten die Wunden und Narben den Charakter des Unvermeidlichen und Nebensächlichen.
17. April 2025
Das in die Wissenschaften eingedrungene gehobene Spießertum und der aufstrebende Pöbel dort wollen die Geschichte nach ihren Wunschphantasien reparieren, statt sie zu nehmen, wie sie nun einmal war.
18. April 2025
El Kotzo sollte freiwillig abtreten und einige seiner Generationskumpane mitnehmen.
19. April 2025
Ich habe nichts gegen intelligente und interessante Krawallschachteln. Jene Autorin, die kürzlich im einstmals literarischen Haymon Verlag ihren Erstlingsroman FICKMÄDCHEN unter mühsamer Übersetzung des Titels ins amerikanische Gangsteridiom veröffentlichte, gehört definitiv nicht dazu.
20. April 2025
All die, die sich über die Künstler des Dritten Reiches oder der Sowjetzonen-DDR moralisch erhaben dünken, müssen nicht nur moralisch dreimal so gut sein, sondern auch ein Minimum an Intelligenz und künstlerischer Potenz aufweisen – neben den Ebern auch die dummen Säue, die sich an den Eichen reiben.
21. April 2025
Wenn man einen Philosophen für groß hält, nur weil er in seiner Heimat als groß gepriesen wird, sollte man zuerst prüfen, ob dieses einst großartige Land noch groß ist oder nicht vielmehr blind und krank.
22. April 2025
Die Rheinische Republik starb im besten Mannesalter – betrauert von ihren Parasiten und freudig verabschiedet von freien Menschen, die in ihren Hoffnungen allerdings zu wenig den Kohlonialismus und die Verkommenheit der Führungs- und Verführungsgruppen einkalkuliert hatten. Der oberste Salonphilosoph der Republik existierte fast doppelt so lange wie sein Schattenreich. In reichlicher Zeit brachte er nicht mehr zustande als Bestätigungsgestammel.
23. April 2025
Kein einziges der den deutschen Truppen zuzurechnenden Verbrechen rechtfertigt die polnischen und tschechischen Verbrechen der Nachkriegszeit. Die Untaten der Anführer auf der russischen Seite hatten andere Ursachen. Sie wurzelten in Rache und Dominanzstreben und natürlich nicht im Drang nach Emanzipation, sondern in einem großrussischen Separatismus, der seit Jahrhunderten auf die totale Verdrängung und Vernichtung des deutschen Elements gerichtet war. Auf der anderen Seite gab es die Aufgeklärten und Toleranten, aber wie immer entschied die Zahl derjenigen, die die Dinge zu entscheiden hatten.
24. April 2025
Für Gewalt und Terror gibt es keine Meßlatte. Nur eine Grobabschätzung mit den Augen.
25. April 2025
Relative Unempfindlichkeit gegen Schmerzen und Leid ist nur in Kombination mit einer manchmal mit Höflichkeit verhüllten Rücksichtslosigkeit zu haben.
26. April 2025
Man wird im allgemeinen im Alter langsamer und ungeduldiger mit dem, das noch werden soll.
27. April 2025
Der Realismus ist immer brutal. Otto Ludwig, der Begründer des poetischen Realismus, ist der beste Beweis. In seinem Meisterwerk ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE wartet an der Kante zum Nichts der Brudermord.
28. April 2025
Vielleicht sind ja doch DIE SCHWARZE HÜTTE und DIE WEISSE HÜTTE nur Bezeichnungen für die zwei Zugänge zu demselben Gebäude, vielleicht stürzen am Ende wie in den TWIN PEAKS des genialen David Lynch beim Schrei des CRYING OF HUMANITY all die Schwindelpaläste in sich zusammen.
29. April 2025
Sei dankbar, daß ein gütiger Gott Vorsicht und Angst einsetzte, um deine dunkelsten Pläne früh zu durchkreuzen.
30. April 2025
Wie oft der Abweg zum Abgrund und der Umweg zum Entkommen!
1. März 2025
Wie sollte ich an Gerechtigkeit glauben, wenn ich meine eigene Bilanz ziehe? Glück in der Liebe, nach Irrungen und Wirrungen nicht unverdient, ein begrenztes, aber befriedigendes Glück in materiellen Dingen. Andererseits in einer NEO-DDR nach mehr als fünfzig Jahren und rund fünfzig guten und zum Teil exzellenten Büchern und trotz Widerhalls bei bedeutenden Autoren immer noch keine freie Bahn und kein Aufwachen unter den Stummen.
2. März 2025
Werden sie einst von mir begütigend sagen wie vom alten Zuck, daß auch ich in wendigen Zeiten lebte?
3. März 2025
Dem, der Worte gewaltsam ändern will, rutscht die vergebliche Wirklichkeit zwischen den Fingern durch.
4. März 2025
Unter dem Kimono bleibt ihr, die ihr wart.
5. März 2025
Bekommt der für sich stehende Baum mehr Regen, als er in der Waldgemeinschaft erhielte? Jedenfalls mehr Wind und Sturm.
6. März 2025
Der zu spät vor der Flut warnende Landrat: Ein hilfloses Opfer des Klimawandels.
7. März 2025
Wir streiten noch auf dem Weg nach Alcatraz ab, daß wir dorthin unterwegs sind.
8. März 2025
Der durch Berufsverfehlung gescheiterte bornierte Hobbyhysteriker Moshe Zimmermann sollte bei seinen Leisten bleiben. Wer sehr böse ist, möchte der verkommenen landesverräterischen israelischen Pseudolinken Besuch von den Hamas-Terroristen anempfehlen. Die sind zwar kriegerischer als der fahnenflüchtige Oberste SS-Führer es im April 1945 war, aber irgendwer wird es schon überleben.
9. März 2025
Lieber als „Islamhasser“ beschimpft werden, als angepriesen sein als Beschöniger und Steigbügelhalter der Islamisierung Europas.
10. März 2025
Wie soll der weltweite Krieg gegen den islamistischen Terror gewonnen werden ohne Einführung eines Kriegsrechts, das die Willkür bei der Verfolgung und Unterdrückung eingrenzt, aber unablässig die Gewalttäter unschädlich macht?
11. März 2025
Härte gegenüber Schwachen ist unnötiger Unsinn.
12. März 2025
Macht euch keine falschen Hoffnungen und Illusionen: Der Kampf gegen die Woken ist ein Vernichtungskampf, der nur mit der kompromißlosen politischen Ausschaltung der einen oder der anderen Seite enden kann – man sollte hoffen, ohne Tote.
13. März 2025
Gegenüber den hauptamtlichen Ideologen der Kriegshetzer-Parteien bevorzuge ich vernünftige Geschäftsleute, die im Frieden auch ihren persönlichen Vorteil sehen. Menschen, wie Jared Kushner – modern orthodox jüdisch, der Familie, in die er eingeheiratet hat, fest verbunden, wagemutig und unbeirrbar.
14. März 2025
Spätestens nach dem Löschen des Feuers ist das Ausschalten der Brandstifter erforderlich.
15. März 2025
Haben wir Recht, üben wir Gerechtigkeit? Das sind wichtige Fragen, denen wir nicht ausweichen sollten. Und dennoch werden wir in der akuten Situation uns das Recht zusprechen müssen, zu handeln wie wir handeln, selbst wenn wir das Falsche tun.
16. März 2025
Wer in den Garten über einen Zaun einsteigt, sollte sich nicht über die zerrissene Hose beschweren. Wer danach ins Haus einbricht, sollte sich nicht beklagen, wenn er in angenommener Notwehr erschossen wird.
17. März 2025
Man muß als Kind auf der Straße ein paar von anderen Kindern um die Ohren und auf die Backe kriegen, um den Wert des Lebens und des Kämpfens zu begreifen.
18. März 2025
Weil jeder im Grunde allein ist, kann man ihn auch einmal allein zurücklassen.
19. März 2025
Wer unbedingt andere Menschen braucht, offenbart einen Persönlichkeitsdefekt.
20. März 2025
Wissensfrage: Nennen Sie eine Invasion, bei der nicht auf die Eindringlinge geschossen wurde aus rechtzeitiger Notwehr – und nicht etwa aus Sadismus und aus der berühmten gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
21. März 2025
Die Normalophoben gegen die Homophoben, die Islamophoben gegen die Normalophoben und so weiter. Heillos.
22. März 2025
Was soll man von einem Politiker sagen, der es vom Fondsmanager und verhinderten Dorfbürgermeister weit nach oben gebracht hat, und seinem bislang eher noch vorbereitend-virtuellen Kriegsgegner erklärt, dieser habe „vielleicht noch einen Rest von Anstand“? Hat er selbst noch einen Rest von Anstand, noch einen Rest von Intelligenz oder auch nur Bauernschläue? Offenkundig will er den Krieg gegen eine viel größere Macht, offenkundig will er riskieren, daß ihm der vernünftigere Teil der eigenen Leute, die nicht um jeden Preis ins Feuer wollen, die Kriegsfackel aus der Hand schlägt und ihn abserviert in die hintere Bank.
23. März 2025
Wir sind für die Einsamkeit und für das Ertragen der Gemeinschaft gemacht.
24. März 2025
Wer sich in den Untergrund flüchtet, ohne es zu müssen, um sich dort zu etablieren, ist selbst schuld an seiner Lage. Allein die niedrige Deckenhöhe spricht gegen diesen Zufluchtsort.
25. März 2025
Die radikalen Politiker haben alle Hände zu tun, um sich die Illusion zu erhalten, sie täten alles gegen sich und alles für das Volk.
26. März 2025
Am Ende zählt, was gewirkt hat. Ob es auf einer Illusion oder einer Lüge beruht oder nicht, ist weniger bedeutsam.
27. März 2025
Das einzige, was eine Frau ihrem Mann wegnehmen darf, ist, wenn sie mutig genug ist, seine Pistole bei einem Selbstmordversuch.
28. März 2025
„Ich vergesse mich“ ist eine kluge Beschreibung einer Konstellation, in der jemand gegen seine eigenen Interessen handelt.
29. März 2025
Schutzlose Menschen zu schützen ist nur dem möglich, der sich selbst schützt.
30. März 2025
„In die stolze Reihe der abgelehnten oder verbotenen Schriftsteller eingegliedert“ (Dieter Wellershoff). Die Ablehner sollten mit ihrem Begründungstext ans Licht gezerrt werden.
31. März 2025
Du kannst mit allem rechnen, nur nicht mit dir selbst.
1. Februar 2025
Die Wadis der Nabatäischen Wüste warnen: Auch weit entfernte Regenfälle können deinen überraschenden Tod verursachen, falls du aus den Schluchten nicht schnell genug flüchten kannst.
2. Februar 2025
Auch der Rückzug kann ein Mittel der Wahl sein.
3. Februar 2025
Die Füße in zwei Feldern mit einem Zwischenraum inmitten zu haben, sichert den Schritt.
4. Februar 2025
Das Sein, das doch die allumfassende Fülle ist, scheint uns leer verglichen mit unserem uns füllig vorkommenden Dasein, in dem wir hoffnungslos feststecken.
5. Februar 2025
Günter Rohrmoser, einer der wichtigsten und stärksten politischen Philosophen Deutschlands seit Johann Gottlieb Fichtes geistig-materiellen Befreiungskämpfen, ist wie so manche andere auch – man muß hier nur an die kalte Wiederaufnahme Ludwig Freunds nach dem Zweiten Krieg denken – von seinem Volk nicht begriffen und nicht angenommen worden. Noch dazu war er ein zu guter und wohlmeinender Mensch, um von vornherein oder doch jedenfalls schnell die lediglich organisatorisch-taktischen Qualitäten des Mantelergreifers Kohl und dessen Lügen von der so ersehnten und historisch gebotenen „geistig-moralischen Wende“ zu erkennen.
6. Februar 2025
Helmut Kohl ein verheimlichter Jude? „So what?!“ möchte man konstatieren. Es hülfe allenfalls als Erklärung für seinen Überlebens-, Aufstiegs- und Geldsammelwillen, für Planmäßigkeit und Manipulationsgeschick, wie sie über Generationen eingeübt werden mußten.
7. Februar 2025
Bienen, Ameisen und Menschen können gar nicht anders, als Industrie zu betreiben und Staaten zu bilden. Daß sie dazu die ihnen lästig und unnütz Erscheinenden an den Rand drängen oder sogar ganz ausschalten, gehört zum Programm.
8. Februar 2025
Die Zielsetzung ALLE KÖNNEN KOMMEN ist lediglich eine moderne Umschreibung des Schiffnamens MEDUSA. Dann darf man sich nicht wundern und sich nicht beklagen, wenn die überlebenden Schiffbrüchigen auf dem Floß zu Kannibalen werden.
9. Februar 2025
Vergiß nicht: Auch deine Feinde gehen dir verloren, womöglich schon vor ihrem Ableben. Als ein Stück deines Lebens.
10. Februar 2025
Man zerstört Menschen, wenn man ihnen die Chance nimmt, gelegentlich zu einem selbstverschuldeten Scheitern gezwungen zu werden.
11. Februar 2025
Wer wäre in der Lage, aus seinen Fehlern zuverlässig zu lernen?
12. Februar 2025
Man wird meist nicht gedankenreicher, aber bedächtiger, zögernder und vorsichtiger.
13. Februar 2025
Für manche gibt es nur ein einziges WILLKOMMEN. Das, mit dem ihr Computerbildschirm sie begrüßt.
14. Februar 2025
Ich hatte immer den vermessenen Ehrgeiz, auf meinen Gebieten so bitter-melancholisch, meist so scharf, hart und sehnsüchtig-böse zu werden wie der große Wilhelm Busch auf den seinen. Das Urteil darüber liegt bei mir.
15. Februar 2025
IHR KÖNNT MICH MAL ist zwar keine Vergebung, aber es entlastet und befreit die Schultern.
16. Februar 2025
Liebe, Tod, Kampf – die Trias des Wichtigsten im Leben. Über allem aber steht ER.
17. Februar 2025
Die Stolperfallen des Herbstes haben wir im Sommer als Leinen um die Sträucher gelegt.
18. Februar 2025
„Wir können Auto.“ Ferngesteuert.
19. Februar 2025
Wer ein Leben lang nur einen Job sucht und keinen Beruf, sollte prophylaktisch von seinem Job befreit werden.
20. Februar 2025
Bei aller auch nur begrenzten Gleichheit in den Massen einer Art: Wie verschieden die Tiere und Pflanzen sind, wie sehr sie die Ungleichheit zum Überleben und zur Evolution benötigen! Und dann das dumme Geschrei der Hirnlosen mit der Forderung nach völliger Angleichung.
21. Februar 2025
„Warum benötigen die Philosophen eine Meterebene?“, fragte sich der weniger Gebildete bei sich, als er eine Sendung des „Philosophischen Radios“ hörte. „Wollen Sie nicht zu tief fallen“?
22. Februar 2025
Ich schätzte es, daß ein durch meine Heirat zum Verwandten gewordener Großbauer aus dem Oldenburger Münsterland jeden Morgen nach seiner Arbeit in den stinkenden Hühnerställen sich duschte und ein weißes Hemd anzog, ehe er frühstückte. Es waren regelrechte Landlords, immer frei gewesene Herren von Land in Gutsgröße mit einem aufrechten Selbstbewußtsein. Ihre Sippe ging zurück auf ein einheimisches Rittergeschlecht, aber sie hatten wegen der Lehenspflichten sich vom Adel befreit. Natürlich gab es auch bei ihnen schwarze Schafe – etwa den einen Sohn, der bei der verwitweten Mutter blieb und sich zu Tode soff.
23. Februar 2025
Die Arbeit ist nur eine stellvertretende Vor- und Schwachform des Kämpfens.
24. Februar 2025
Der deutsche Humor ist, nur weil er verteilter und widersprüchlicher auftritt (die Gegensätzlichkeiten sind einer seiner Vorzüge) nicht geringer zu schätzen als der anderer Völker. Er hat seine schöne Langsamkeit, seine wilden Gemeinheiten und Zornesausbrüche, seine bitteren und scharfen Töne, die er nicht zuletzt dem jüdischen Erbe verdankt. Für die Antagonismen etwa der zwei Großen, die nur den Wilhelm und ihre norddeutsche Schwerblütigkeit gemeinsam haben, Wilhelm Busch und Wilhelm Raabe, sollten wir dankbar sein und dafür, daß sie nicht deckungsgleich übereinander passen.
25. Februar 2025
Die Erfahrung zeigt: Das Holz der Zweige ist schwächer als das Holz des Stamms.
26. Februar 2025
Wenig später gelöschte Mitteilung des Auswärtigen Amtes: „Die Bundesregierung hat den russischen Botschafter einbestellt, um Ratschläge für das Sich-Behaupten in schweren Krisen zu erhalten.“
27. Februar 2025
Man sollte vom Desaster der Ameisen in Uganda lernen, wenn auf Kosten des eigenen Nachwuchses ihre Gier nach der von den feindlichen Büffelkäfern gelieferten Droge die eingedrungene fremde Armee zum Sieg führt.
28. Februar 2025
Der alte Ungeist in alten zerbrochenen Flaschen.
1. Januar 2026
Das Reden über unsere Existenz verleitet zur Geschwätzigkeit.
2. Januar 2026
Wir existieren ungefragt und unbefragbar.
3. Januar 2026
Die Rendite beim Selbstbetrug ist bescheiden. Meist wird lediglich Verlustvermeidung erreicht.
4. Januar 2026
Bücher lassen sich lesen, Menschen nicht. Schon wer davon redet, wie Menschen gelesen werden könnten, offenbart sich als Perverser.
5. Januar 2026
Ereignisse stehlen uns ein Ereignis, das vorher begann, aber dann durch das Vordrängen und Überlagern nicht beginnen konnte.
6. Januar 2026
„Woher weißt du das alles?“ „Ich weiß es aus mir.“ „Aber dann weißt du es nicht.“ „Ich glaube es aber.“ „Dann glaube weiter. Ich habe zu tun.“
7. Januar 2026
Systematisches Denken führt unweigerlich in ein Denksystem, in dem man erbärmlich oder großartig gefangen ist und scheitern wird.
8. Januar 2026
Manche befürworten Gerichtsverfahren gegen Menschen, deren Hund einen möglicherweise posttraumatisch und mit Hundephobie belasteten Zeitgenossen angebellt hat. Man kann es auch übertreiben, sagt der Volksmund.
9. Januar 2026
Kompromiß-Friedensschlüsse mit Kakerlaken, Wanzen, Ratten und Stubenfliegen gelingen den meisten von uns nicht. Nicht einmal verhandeln mit den Tieren können wir, seit wir ausgestiegen sind aus dem Tierreich und seinen Sprachen.
10. Januar 2026
Die Menschlichkeit der Thunfische beschränkt sich auf die Tatsache, daß Menschen Thunfisch essen.
11. Januar 2026
Wenn nun aber der sich auch noch subjektiv zum Opfer machende Leidensträger sich durch unser Mitleid retraumatisiert fühlt - was sollen wir tun, Mitleidsäußerungen unterdrücken, das Mitleid selbst unterdrücken?
12. Januar 2026
Was sich hierzulande für Elite hält, schwimmt oben.
13. Januar 2026
Das Aufkommen staatlich geförderter Wörter und ihre obrigkeitliche Vermehrung.
14. Januar 2026
Widerstand ist gefährlich, Flucht, Untertauchen, Camouflage und Mitmachen sind es auch. Was soll man raten?
15. Januar 2026
Man sollte den WOKEN wenigstens mit einem nassen Waschlappen quer durchs Gesicht die Chance geben wachzuwerden.
16. Januar 2026
Ich mißtraue den meisten Cuvées. Es ist sehr viel leichter, einen ordentlichen Sortenwein zu schaffen als eine gute Cuvée. Die völlig gelungene genußreiche Mischung ist eben ein seltener Fall.
17. Januar 2026
Sie begeistern sich für das Schlafen. Der Erholungseffekt des Todes wird bestritten.
18. Januar 2026
Man muß selbst zweifelhaft und voller Zweifel sein, um doppelbödige Menschen darzustellen.
19. Januar 2026
Das Auf- und Untertauchen von Gedanken, die wir gedankenverloren nicht festhalten können.
20. Januar 2026
Wer sich als lebenslänglicher Wildfang fühlt, mag das für sich so sehen. Mein Bild von mir ist das nicht, zumal ein Wildfang zwar noch wild, aber schon gefangen ist und in der Klemme steckt. Wenig einladend zur Identifikation.
21. Januar 2026
Wer wie ich als Kind auf der Straße lernte, worauf es ankommt, wird auf ewig die teigig weichen Muttersöhnchen bemitleiden und verachten.
22. Januar 2026
Zweifellos gab und gibt es eine weitverzweigte Krieger- und Kämpferkaste.
23. Januar 2026
Schreiben im elften Grad, ohne zuvor Abschied von ihm zu nehmen.
24. Januar 2026
Ohne Vernunft sind Härte und Angriff selbstmörderisch, denn das Vabanque-Spiel geht nicht immer auf.
25. Januar 2026
MY BODY MY RULES ist eine der selten dämlichen Fiktionen junger denkbehinderter Mitläufer, die allen Stacheldraht verschrotten wollen, weil niemand illegal sei. Würden sie den Gesetzen ihres Körpers folgen, die Selbsterhalt und Selbstverteidigung gebieten, wären sie auf der Seite des Überlebens.
26. Januar 2026
„Sie erhalten den Hauptgewinn: eine Nacht in einem Hotel in den Ruwenzori-Bergen. Für An- und Abreise und das Hotelfrühstück kommen Sie selbst auf“.
27. Januar 2026
Es schafft eine besondere Lebensstruktur, wenn eine Familie aufsteigt, später aber abstürzt aus den lichten Höhen und den rosigen Aufstiegsträumen in Elend und Armut, um von weit unten her den Wiederaufstieg zu beginnen. Im unbewußten Untergrund der Persönlichkeit, in unerklärlichen Antrieben und Stimmungen wird die Erinnerung da sein an das, was andere besessen haben, an Gärten und ein weißes Schloß. Aber niemals wird sich sagen lassen, wo etwas tatsächlich einmal gewesen ist und wo der freie Wunschtraum beginnt.
28. Januar 2026
Das ist der Glücksfall: Nicht Recht zu haben, aber unberechtigt recht zu behalten, zumindest in den Augen der anderen. Das größte Glück ist eben doch, als Zauberer sein Publikum zu betrügen.
29. Januar 2026
Besonders schön die widerständigen Rosenblüten an einem einzelnen Strauch, die sich gegen die Novemberkälte verteidigen und sich von ihr geradezu einige Zeit noch erhalten zu lassen scheinen.
30. Januar 2026
Sie wollen Rückabwicklungen verbieten und verhindern. Selbst bei der Sackgasse, der von schrecklichen Vielologen und dummdeutschen Spießern fortschrittlich in eine Sackgasse vorangetriebenen Neuen Rechtschreibung, will man nicht zurück zum guten oder jedenfalls besseren Alten. Von den größeren Fragen ganz zu schweigen.
31. Januar 2026
Die Osmanen haben nach achthundert Jahren Invasion mit ihren Zerstörungen, Umbenennungen und selbstverliehenen Besitzansprüchen das geistige Byzanz nicht erobern können. Es lädt sie ein, reuig und bescheiden zu bleiben oder sich demütig ins eigene Kernland zurückzuziehen.
zum Seitenanfang
|