Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018, das vierte (2017-2018) 2019, das fünfte (2019-2020) 2021, das sechste (2021-2022) 2023 (siehe unter AKTUELLES).

1. Juni 2024
Absurditätsgipfel: Die Rüstungsindustrie als Teil der Wiederaufbaukonferenz statt Träger zu werden der Mehrfachabbaukonferenz.

2. Juni 2024
Es gehört Mut dazu, nicht mitzumarschieren.

3. Juni 2024
Die Aasfresser sind unbedingte und begeisterte Befürworter der Kriegstüchtigkeit und der Zeitenwenden.

4. Juni 2024
Die Nichtschwimmer bieten an, Ertrinkende zu retten.

5. Juni 2024
Der neu tapezierte Saustall bleibt ein Saustall.

6. Juni 2024
Die unvollständige Information ist eine vollständige Lüge.

7. Juni 2024
Sich zu verbiegen macht seltsamerweise entgegen jeder technischen Gegebenheit glatt und gängig.

8. Juni 2024
Ein aktueller Freund ist keiner, sondern nur ein lauer Bekannter. Die Zeit ist die Nagelprobe – was nur jetzt ist, ist sofort schon vergangen.

9. Juni 2024
Wieviel zählt die wieder und wieder versicherte dauerhafte Unterstützung eines alten, halb schon abgetretenen Narren?

10. Juni 2024
Die Wahrheit der Märchen: Die säuselnde Kannibalenhexe und der brummige, gefährlich wirkende Thürschemann. Am sichersten ist, stets mit allen Möglichkeiten zu rechnen.

11. Juni 2024
Die naiven Optimisten glauben, der Teufel sei ein häßlicher Gnom. Die Realisten erwarten einen modisch-gediegen gekleideten Schönling, freundlich, erfolgreich und hochgebildet.

12. Juni 2024
Der Preis, der verliehen wird, ist der Preis, zu dem jemand einzukaufen sein könnte.

13. Juni 2024
Minderheiten, die sich beklagen, verdienen ihr Schicksal.

14. Juni 2024
Es ist eine Auszeichnung, ein Fremder zu sein. Fremd fühlen werden wir uns immer, aber äußern werden wir es je nach Zweckmäßigkeit.

15. Juni 2024
Wenn nicht geholfen wird, entsteht Auslese. Die, die keine Hilfe brauchen, und die, die keine Hilfe wollen, setzen sich durch.

16. Juni 2024
Zeiten und Namen: Vor über fünfzig Jahren nannten wir, leicht größenwahnsinnig was die Abkürzung anging, eine kleine linke Gruppe KOMMUNISTISCHE INITIATIVE (KI), so wie sich, ein halbes Jahrhundert vor uns die KOMMUNISTISCHE INTERNATIONALE abgekürzt hatte. Heute sind beide Abkürzungen und die damit verbunden gewesenen Namen erledigt und außen vor, da die Menschen sich für zwar nicht mehr natürlich, aber immerhin noch künstlich intelligent halten.

17. Juni 2024
Wer offen und öffentlich statt der beliebten Lügen und des bequemen Beschweigens die rauhe Wahrheit vorbringt, sollte sich über das Einsetzen tödlicher Stille oder das Aufbranden gräßlichen Geschreis weder wundern noch sich beklagen.

18. Juni 2024
Sich aufzuregen verhilft nicht dazu, aufregend zu sein.

19. Juni 2024
Die Unbedeutenden halten alle ihre Entscheidungen für historisch.

20. Juni 2024
Wer nicht genug ist in seiner Kraft und Kampfbereitschaft, wer nicht genug ist in der Zahl von seinesgleichen, der erzeugt ein Vakuum, in das andere eindringen können.

21. Juni 2024
Der Dienst an der geistigen Front schützt ein Land mehr als jede Waffe.

22. Juni 2024
Sollten die, die vielleicht den Untergang noch hätten verhindern können, untergehen, dürfen sich die Überlebenden später den Untergang mit wohligem Schauder in den Lichtspielhäusern anschauen.

23. Juni 2024
Es gehört wenig Mut dazu, sich, wenn man längst schon ausgegrenzt ist, sich eigenhändig auszugrenzen.

24. Juni 2024
Wer Menschen, die zu seinem Volk gehören, nur deshalb, weil sie einer ihm nicht genehmen Partei angehören und die Demokratie im einzelnen anders verwirklichen wollen, als er es vertritt, als NAZIS angreift, entlarvt sich selbst und spricht sich das Urteil. Für ein solches Subjekt benötigt man nicht einmal ein Etikett.

25. Juni 2024
Die Strategen, die weithin blicken, stolpern über ihre Füße.

26. Juni 2024
Die Taktiker, die alles im untersten Nahbereich sehen, stoßen sich die Köpfe.

27. Juni 2024
Da jede Serie früher oder später reißt, kann die Konsequenz nur sein, nach dem ersten Sieg Halt zu machen.

28. Juni 2024
Wie soll es seitens des Kapitalismus andere Werte geben als Finanz- und Marktwerte?

29. Juni 2024

Der Sinn eines Pionierlebens ist, vor der vordersten Linie sich einzugraben und allenfalls äußerstem Zwang zu weichen.

30. Juni 2024
Sie betonen, daß sie weiter verändern müssen, bis nichts mehr da ist.

1. Mai 2024
Die Finanzierung der Rüstungsindustrie wird mit dem Codewort FRIEDENSPOLITIK bezeichnet.

2. Mai 2024
Seltsam, daß manche Menschen Karten für Totenschiffe erwerben!

3. Mai 2024
Es gibt keinen Beifall von der falschen Seite, sondern nur falschen, weil unverdienten und erlogenen Beifall.

4. Mai 2024
Wenn Irren menschlich ist, ist dann das Recht auf Irrtum ein Menschenrecht? Oder müssen wir Emil Nolde wegen seiner Irrtümer über den Tod hinaus verfolgen und ihn ausstreichen aus dem Volksgedächtnis?

5. Mai 2024
Der größte Fehler des bedeutenden rheinischen Schriftstellers Josef Ponten, dessen Bücher Thomas Mann lobte und der 1940 in München starb, war, daß er vom Iterbach schrieb, aber den Periolbach in Raaren meinte.

6. Mai 2024
Soll man Gertrud Kolmar, die sich für den revolutionären Terror Robespierres begeisterte, posthum zur gewaltfreien Demokratin umformen?

7. Mai 2024
"Er kam, wie es damals hieß, aus den deutschen Ostgebieten." Durch solche Radiokommentare kann man sich nicht nur als Schwein offenbaren, sondern zusätzlich als dummes Schwein.

8. Mai 2024
„Nichts für Deutschland“ und „Alles gegen Deutschland“ werden prämiert.

9. Mai 2024
Aus dem Brief eines Hörers an den Westdeutschen Rundfunk: „Daß Sie statt den antifaschistischen Widerstand zu loben, diesen implizit als „rechtsextremistisch“ bezeichnen, hat mich ebenso befremdet wie die Tatsache, daß Sie als Gewalttäter nur Rechtsextremisten erwähnen, aber mit keinem Wort auf die AFD eingehen. Man könnte glauben, daß Sie ihr nichts vorzuwerfen haben.“

10. Mai 2024
Für einen Moment erzeugten die Blutflecke ein Schuldgefühl des Mörders.

11. Mai 2024
Warum wundern sich die, die das Eigene hassen und verachten, daß man sie nicht mehr zum Eigenen rechnet?

12. Mai 2024
Auch die Würde der Menschen, die politisch rechts stehen, unter Umständen sogar weit rechts, ist unantastbar, so unbegreiflich dies auch manchen sonst so inklusionsbegeisterten Menschenfeinden sein mag.

13. Mai 2024
Ist nicht mehr Bescheidenheit angezeigt angesichts von Jahrtausenden undemokratischer menschlicher Hochkulturen beim Preisen des kleineren Übels DEMOKRATIE, das weniger schlimm ist als die in Frage kommenden Alternativen?

14. Mai 2024
Politisierende Pfaffen, die als undeutsche Christen fatal erinnern an die Schafe und Ochsen in der Herde des Reichsbischofs Ludwig Müller, seiner Kumpane und Konkurrenten.

15. Mai 2024
Wird es als Delegitimierung des Staates verfolgt oder als unbeabsichtigter Tippfehler toleriert, wenn einer aus Versehen "Verfassungsschmutz" schreibt?

16. Mai 2024
Der Krieg, der Zivilisten schont, ist noch nicht erfunden.

17. Mai 2024
Von „armen Hunden“ zu sprechen hilft nicht den Hunden und ändert nicht ihre Gattung.

18. Mai 2024
Denen, die Juden die Kippa herabreißen, sollte der Staat Fahrtkosten und Reiseproviant finanzieren.

19. Mai 2024
Als Beitrag zur Luftreinhaltung und zur Basishygiene schlage ich vor, mörderische Sprüche wie „Juden ins Gas“ mit Haftstrafen zu verfolgen. Positiv formulierte Aussagen - auch solche, die einstmals die objektiven Feinde ihres eigenen Volkes von der Linken gestohlen und für ihre Zwecke mißbraucht haben - könnten im Gegenzug staatlicherseits still hingenommen werden.

20. Mai 2024
Definitiv erledigt sich die fixe Idee eines Weltgerichts, wenn dessen oberster Staatsanwalt seinem religiös-politischen Lager zuliebe darauf verzichtet, seinen eigenen Staatschef wegen Christenverfolgung anzuklagen.

21. Mai 2024
Soll man eine Bewegung oder ein politisches Gebilde, die sich durch ihren größenwahnsinnigen Angriff auf einen Größeren selbst zum Tode verurteilt haben, inmitten des Rückschlags bemitleiden?

22. Mai 2024
Eines der deutlichsten Kennzeichen eines politischen Führers ist es, sich dort, wo es ihm unvermeidlich oder auch nur günstig erscheint, der alten Duzfreunde zu entledigen.

23. Mai 2024
In den schweren Zeiten waren sie auf der Straße, auf ihrer Straße,um ihr Auto zu waschen. Sie haben nur die Erinnerung an ihr Auto und an ihre Straße.

24. Mai 2024
Angesichts der Vielfältigkeit der Frauen und ihrer Ansichten ist „Friedrich Merz aus Frauensicht“ so interessant wie „Friedrich Merz aus der Sicht der Bonobo“.

25. Mai 2024
FRAKTION ZUKUNFT ist ein guter Name für einen Verein, der verspricht, daß alles übermorgen besser wird.

26. Mai 2024
Ob einer glauben kann, das ist erstens seine Sache und zweitens eine Gnade. Aber er ist nicht nur verpflichtet, sondern verurteilt, den Glauben seiner Kultur zu verteidigen, mit ihr zu leben oder mit ihr unterzugehen.

27. Mai 2024
Der Verrat hat viele Schattierungen, auch der Verrat an der eigenen Kultur. Der, der hinübergeht in eine andere, hat keine Garantie, eine neue Heimat zu finden, aber er wird garantiert seine alte verlieren und mit ihr den Boden unter seinen Füßen.

28. Mai 2024
Sie, die anschreiben und anschreien gegen das Christentum, verdanken ebendiesem, daß sie sinnloserweise schreiben und lesen lernen konnten. Sie werden verwehen wie ein übel riechender Wind.

29. Mai 2024
Gibt es überhaupt innere Gewinne ohne vorherigen Irrtum und vorheriges Scheitern?

30. Mai 2024
Zu scheitern ist zwar kein Verdienst, aber verdienstvoll ist es, das eigene Scheitern zu erkennen, es in aller Bescheidenheit öffentlich bekanntzugeben und es als Sprungstein im Fluß zu nutzen.

31. Mai 2024
Ewige Werte? Man sollte die Ewigkeit Gott vorbehalten.

1. April 2024
Wer sich verletzt fühlt, sollte sich still verpflastern.

2. April 2024
Wenn du nicht oder nur schlecht getroffen bist, wie soll dir ein Kunstwerk etwas sagen?

3. April 2024
Der, der auf einem Standpunkt steht, bewegt sich nicht. Der, der eine und nur eine Haltung hat, wird sich nach und nach versteifen.

4. April 2024
Schaut euch das Leben an! Die Zecke, die sich im gerade beginnenden Frühling an der Spitze meines kleinen Fingers festbiß, wollte leben, einfach nur leben.

5. April 2024
Auch die Diebe und Mörder wünschen ehrliche Auskünfte und offene Türen.

6. April 2024
Sie, die davon sprechen, Menschen zu lesen, kennen nicht einmal das ABC des Humanen.

7. April 2024
Die Vielen: Nullenaddition.

8. April 2024
Man muß ausgesprochen volksfeindlich sein, um im Populismus, so fragwürdig er in manchem ist, den Hauptfeind zu sehen und nicht ein Symptom, eine Form der Reaktion auf das Versagen der Herrschenden.

9. April 2024
Zum Wohle aller einen Teil vernichten – das kommt uns doch aus gewesenen Zeiten bekannt vor.

10. April 2024
Es kann nur eine Befreiung sein, einen Menschen von einer ihm widerwärtigen Zugehörigkeit zu befreien.

11. April 2024
Es ist kein Verdienst, aber doch bin ich froh, keine KlimaseniorIn zu sein.

12. April 2024
Sprachverbote führen zum Verstummen. Das kann nur geändert werden, wenn man die Verbote aufhebt und die Verbieter brandmarkt.

13. April 2024
Es läßt sich bestreiten, daß Hitler der Feind allen Lebens war, da er doch seinen Schäferhund liebte und dem Fräulein Braun jedenfalls nicht feindlich gegenüberstand? Daß er seinen Teil der Kunst sehr hoch achtete, Wagner & Company, steht auch fest. All das änderte sowenig etwas an seinem massenmörderischen Charakter, wie es Stalin hilft, daß er ein respektabler politischer Schriftsteller war und, ehe seine geliebte erste Frau an Fleckfieber starb, und in seinen Bankraubzeiten noch kein Auftraggeber für Morde war.

14. April 2024
„Darauf warten die Soldaten“. Warten sie auf die Munition, die sie totschießen wird?

15. April 2024
Wer im Krieg ein Bein verliert … Zumindest ist es wahrscheinlicher, daß er Pazifist wird.

16. April 2024
Kulturelle Aneignung ist das Wesen der Kultur. Wer das bekämpft, will seine (Un)Kultur durchsetzen oder jede Art von kultureller Leistung bekämpfen.

17. April 2024
Hebbel wußte, daß alles Leben Raub ist. Auch die Kunst nimmt, was sie zu fassen bekommt.

18. April 2024
Die Besonderheiten in der Kunst eines bestimmten Künstlers sollten uns bewegen, statt all unser Interesse auf Künstler mit grünen Augen oder einem Klumpfuß zu legen.

19. April 2024
Es gibt Narren, die glauben, man werde durch eine bunte Mütze zum Künstler und durch Homosexualität zum Philosophen.

20. April 2024
Das Überflüssigste ist ein Künstler, der über sich und über die Welt jammert.

21. April 2024
Natürlich stehe ich im Mittelpunkt meines Werks, so oft ich auch in den Kulissen verschwinden mag. Welche Produktivkraft hat ein Künstler außer sich selbst?

22. April 2024
Gut gemacht – dennoch: Gemacht und nicht entstanden und nicht gewachsen.

23. April 2024
Du wurdest verfolgt, du wurdest verachtet? Sei dankbar, das hat dich zu dem gemacht, was du bist.

24. April 2024
Frage doch den Löwen, warum er ausbrach aus dem Gatter, warum er den zerfetzte, der ihn eingesperrt und gefüttert hatte. Frage ihn! Auf die Antwort bin ich gespannt.

25. April 2024
„Meine kleine Welt“ ist eine Tautologie. Niemand hat die Welt.

26. April 2024
Auch der Sklave hat sich und hat mit sich zu tun.

27. April 2024
Wer abstreitet, daß es Identität als zentrale Kategorie gibt, der ist ein Idiot. Wer leugnet, daß es immer zugleich eine wirksame Nicht-Identität gibt – wir sind wir selbst und wir sind es nicht – der ist keinen Deut besser dran.


28. April 2024
Gegen Boykottdemonstranten scheint es mir angemessen, mit faulen Eiern und Stinkbomben ein Zeichen zu setzen.
29. April 2024
Selbst bei den Tieren diskriminieren wir und müssen es tun – etwa zwischen den schönen Feuerwanzen und den gemeinen Bettwanzen.

30. April 2024
Wir benötigen den Gegensatz und die Kämpfe, um uns zu schärfen, aber nur in der Windstille kommen wir zur Ruhe.

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