Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018, das vierte (2017-2018) 2019, das fünfte (2019-2020) 2021, das sechste (2021-2022) 2023 (siehe unter AKTUELLES).

1. März 2024
Man muß sein eigener Gott sein, ohne einen Gottesbeweis zu verlangen. Man könnte auch sagen: Gott verlangt von uns, unseren Auftrag zu erfüllen und so weit zu gehen, wie es eben geht.

2. März 2024
Du wirst die Unbestechlichen preisen, wenn du nichts mit ihnen zu tun hast. Die Fliehenden lobten die Bestechlichen unter den SS-Leuten.

3. März 2024
Wir können nichts für unsere Vorfahren. Wir können nichts für oder gegen sie tun, schon weil sie unabtrennbar in uns sind.

4. März 2024
IN der Familie sollte man, wenn schon nicht alles, so doch möglichst vieles sagen können. NACH AUSSEN gibt es drei Möglichkeiten: etwas Gutes, etwas Neutrales, nichts.

5. März 2024
Wem das Schicksal einen Mörder als Vater zugeteilt hat, der sollte schweigen wie dessen standhaftester Komplize, ohne im mindesten mitzumachen und sich gemein zu machen mit seinen Handlungen.

6. März 2024
Auch unter den Allerschlimmsten gibt es diese Idyllen – en famille oder mit der Geliebten unter einer Decke.

7. März 2024
Das Mitleid mit sich selbst sollte man auf Augenblicke beschränken, in denen man in Sicherheit ist und unbemerkt gefahrlos jammern kann.

8. März 2024
Aller Beifall ist letztlich selbst inszeniert und selbst zu verantworten - auf eigene Rechnung.

9. März 2024
Im Grunde begreifen wir uns nur selbst. Wie sollte ich Ricarda Lang Verständnis entgegenbringen, wo es mir doch unmöglich ist, ihre Gewichts- und Leibesumfangsprobleme nachzuvollziehen und ich es kaum verstehen kann, wie jemand es schafft, ohne einen Abschluß seines Studiums damit fertigzuwerden, andere Menschen zu dirigieren?

10. März 2024
Laßt ihnen ihr Leid, drängt euch nicht in es hinein. Ihr habt euer Leid. Für euch.

11. März 2024
Du suchst keine Frau? Du bringst dich um die Chance, schuldig zu werden und dich schuldig zu fühlen.

12. März 2024
Der Illusionist stellte am Ende fest, daß sein Verdienst nur Illusion und er von Anfang an Amateur gewesen war.

13. März 2024
Immer wird es jene Menschen geben, die dann, wenn ein fremder Hund sich im Vorgarten eines ihnen Unbekannten erleichtert, ihr Auto abbremsen, aussteigen und zetern. Was mich betrifft, so bevorzuge ich die Gleichgültigen und Zurückhaltenden.

14. März 2024
Wie naiv und hilflos die Klage ist, daß bessere Menschen sterben und schlechtere leben fröhlich weiter!

15. März 2024
Jeder Einzelne ein Mensch, meist sogar ein guter. Auch zwei in aller Regel ungefährlich.

16. März 2024
Wie edel die Dingos und andere wilde Hunde auf uns wirken, wenn wir absehen davon, sie unvermutet zu treffen.

17. März 2024
„Helfen Sie mir bitte“, hatte der hilflose Mörder zu der Ermordeten gesagt.

18. März 2024
Wer ist daran schuld, wenn wir bei Happy Ramadan an Happy Meal und Hundefutter denken müssen und frei assoziierend bei scharfen Zähnen an unserer Kehle landen?

19. März 2024
Jeder Leitwolf, jeder Silberrücken klüger als manche Zeitgenossen, die unsere Kinder opfern, um die Schrägen ihres Weltbilds zu retten.

20. März 2024
Angesichts dessen, daß die andere Seite unter ihren Fußsoldaten zunehmend auf verrückte Fanatiker setzt und die Gegenmobilisierung auf die seelisch Versehrten aus dem Mob und den Gefängnissen zurückgreifen wird, sollten wir nicht von den Massakern sprechen, um diese nicht noch wahrscheinlicher werden zu lassen. Aber wir sollten mit ihnen rechnen.

21. März 2024
Die ehrliche verräterische Stimme des Joseph Goebbels, die angenehm weiche Stimme der philosophierenden Hetzer, die Rußland nur als Landkartenphänomen zu Europa rechnen wollen.

22. März 2024
Je dubioser die Herkunft der Mischmaschbevölkerung, umso lauter der Ruf nach Arierparagraphen.

23. März 2024
Jeder Politiker oder Prediger wünscht sich Märtyrer für seine Sache. Aber wünscht er sich auch, selbst unter den Märtyrern zu sein?

24. März 2024
Ob nun einer an Zufälle glaubt, an das Schicksal oder den eingreifend bestimmenden Gott: Sein Weg hat ein Ende, eine Vor- und eine Nachgeschichte. Auch wenn er selbst nicht bestimmt, wohin es geht, wenn er nur nachläuft und sich treiben läßt – das ist dann eben sein Weg und so bleibt es.

25. März 2024
Das Recht, sich selbst zu verteidigen, duldet keine Beschränkung. An ihm endet jede Moral. Wer in extremis moralisch bleiben will, der muß sich aufgeben und sich opfern.

26. März 2024
Könnte man sich doch aussuchen, zu leben oder nicht zu leben und, bei einer Zustimmung zum Eintritt in die Welt, ein bestimmtes erwünschtes Leben zu leben! Aber, da es nicht so ist, essen wir aus Hunger unser Erbrochenes und trinken, was uns unten herausläuft.

27. März 2024
Der Gott der Väter, der Gott des Alten Testamentes, ist ein menschlicher Gott. Wie wir Menschen hat er Zeiten der Güte und Zeiten der Wut und des Vernichtungswillens.

28. März 2024
Du hast eine bessere Regierung verdient? Hast du es verdient, gleichzeitig an Pest und Cholera erkrankt zu sein?

29. März 2024
Einer, der unfähig ist zur mindesten Empfindung von Phantasie, äußert, daß etwas ihm Unwillkommenes seine Phantasie übersteige, wo doch außer dem Totalausfall alles die Null-Linie übersteigt.

30. März 2024
Die Straße macht dich nicht unbedingt gut, aber sie tut dir gut. Sie lehrt dich kämpfen und sie bereitet dich vor auf alles, was kommt.

31. März 2024
Ich war nicht klein und ich lernte keine Kampfkünste, brauchte sie auch eigentlich kaum, da ich Unverletzlichkeit abstrahlte. Ich ging nicht in einen Dienst. Aber, da unser Anfang draußen an der Front so gleich war, glaube ich diesen Menschen verstehen zu können.

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