Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018 (siehe unter AKTUELLES).

31. Mai 2018
Unsere Leute: Nicht ausgewählt, nur zugeteilt.

30. Mai 2018
Bitte darum, daß dir nicht geholfen werden muß.

29. Mai 2018
Die Bettler besitzen nur eines: Die Erkenntnis, Bettler zu sein.

28. Mai 2018
Ein Glück, das gerecht wäre? Gerechtigkeit, die aus einem Gleichklang von Schicksal und Anstrengung entsteht? Warum sollte es nicht dunkelgrüne und kirschrote Pferde geben?

27. Mai 2018
Der inflationäre Verweis auf eine historische Figur inflationiert deren argumentative Verwendbarkeit Richtung UNTER NULL.

26. Mai 2018
Man muß sich damit zufrieden geben, immer nur einem Teil des Publikums gefallen und guttun können.

25. Mai 2018
Ihm war zu helfen, denn er half sich selber.

24. Mai 2018
Hilft es, wenn Tierfreunde die Ratten schützten und mit ihnen den Pestfloh? Man kann mit Fug und Recht bestreiten, daß die Kammerjäger sympathisch und sensibel sind.

23. Mai 2018
Im Marionettentheater macht es keinen Unterschied, ob einer Martin oder Manfred heißt.

22. Mai 2018
Eine alternative Politik hat in der Tat nicht einmal die Alternative, nicht zu scheitern.

21. Mai 2018
Das Dilemma der Assimilation: Ein Teil der dazu Fähigen benötigt den Zwang dazu, ein anderer Teil verweigert sich mit der nicht nachprüfbaren Begründung, freiwillig wäre man bereit gewesen.

20. Mai 2018
Der Verfasser eines Satzes ist bedeutungslos bei der Frage nach dessen Richtigkeit.

19. Mai 2018
Mit dem Verrat die Hoffnungen überleben. Mit dem Überleben die Hoffnung, mehr gewonnen zu haben als das Überleben des Verrats und des Überlebens.

18. Mai 2018
Wer sich anschließt an die Geräte, wird ihnen verfallen. Es sind Krücken, die einwachsen in uns.

17. Mai 2018
Wer die zufälligen oder schicksalhaften, niemals aber gesetzmäßigen und berechenbaren Erlebnisse einer abenteuerlichen Reise fürchtet, der wird ebenso, wie er den nächsten Tag ängstlich erwartet, sich nicht freuen können an überraschenden Durchblicken in einige Splitter einer rätselhaften Persönlichkeit, in die existentiellen Aphorismen.

16. Mai 2018
Nicht allein, daß nur die Radikalität der Güte einen positiven Wert verleiht, auch die Radikalität des Bösen gibt der Marginalie banaler und im Grunde belangloser Verbrechen eine Bedeutung.

15. Mai 2018
Ein unausgesprochenes Bekenntnis?

14. Mai 2018
Wer statt für sich selbst und die wenigen mit ihm Lebenden für die Welt nach ihm schreibt, predigt den Würmern.

13. Mai 2018
Nur der oft und tief Gefallene kann sich aufrichten und aufrecht gehen.

12. Mai 2018
Sich zu verspotten, mit sich (rechts gegen links) zu spielen ist einer unserer besten Charakterzüge.

11. Mai 2018
Immer ist die Bejahung des Todes die Verneinung des Lebens, die Bejahung des Lebens die Verneinung des Todes. Nur wenn wir so tun, als seien wir für einige unsterblich, leben wir.

10. Mai 2018
Habe Mitleid mit den Neidischen. Sie leiden nicht wie du an Eigenliebe und Selbstverteidigungsfähigkeit.

9. Mai 2018
Angesichts der Unmenge, die bei den Wissenden scheitert, ist es fraglich, ob sich sagen läßt, wann jemand, der mehr als nichts weiß, zuviel weiß für diesen speziellen Moment. Ohne Zweifel gibt es in geeigneten Situationen schützende Unwissenheit und Unfähigkeit.

8. Mai 2018
Der Ausweg ist, lange genug den Feind zu vertrösten und ihm bis zuletzt auszuweichen.

7. Mai 2018
Michael Köhlmeier, der kein Zyniker und kein Idiot sein will, aber doch wenigstens ein Täter, der die Opfer mißbraucht zur gesetzt-feierlichen, leisen Vernichtung seiner Gegner.

6. Mai 2018
Es gibt Menschen, die davon ausgehen, daß die Vögel für die Menschen singen.

5. Mai 2018
Alle Straßen zu kennen in einem Dorf (nur dort ist es möglich) sollte man nicht, will man sich nicht lächerlich machen, als besondere Leistung hervorheben.

4. Mai 2018
Das Recht und das Rechte sind eher zu empfinden als zu beschreiben.

3. Mai 2018
Recht behalten – welch ein absurder Ausdruck. Nur durch ständige Arbeit erzeugen wir einen geringen Anteil am weiten Feld des Rechtes, der uns zu gehören scheint.

2. Mai 2018
Dem Abgrund entgehen? Er war vor dir und wird nach dir sein. Dein innerer Abgrund begleitet dich unabschaltbar.

1. Mai 2018
Es fehlt oft an Dankbarkeit derer, denen wir nicht geholfen haben.


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