Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

Romane · Kurze Prosa · Lyrik · Essays · Kinderbücher · Theatralisches
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TAGEHEFT

29. Februar 2016
Die angeblich Unschuldigen beanspruchen für sich die Aufhebung der Kausalität. Aber die Geschichte quittiert mit und ohne Einverständnis des Empfängers.

28. Februar 2016
Jeder hat die Wahl, Ruhm zu erringen oder den Fallen zu entgehen.

27. Februar 2016
Später einmal, im Frieden, ist die Zeit, sich aufzurichten und sich zu stellen.

26. Februar 2016
Sie trotten im Schutz der Herde und dennoch lamentieren sie, wenn sie mit der Herde geschlachtet werden.

25. Februar 2016
Die Verwechselbarkeit von Glück und Trauer darin, daß für beide gleich gültig ist ES GEHT VORBEI.

24. Februar 2016
Meinungen: Appendix einer Haltung.

23. Februar 2016
Wir glauben, ins Dunkel zu gehen, aber der, der uns im Blick hat, sieht uns in einem schmerzenden Licht.

22. Februar 2016
Wer im Bunker verharrt, muß auf den Endsieg und die Armee Wenck hoffen.

21. Februar 2016
Die Kunst ist es, sich ins Ziel zu retten, den unvermeidlichen Abbruch und das Austrocknen nahe ans Ende heranzubringen.

20. Februar 2016
Niemals kämpfte jemand grundlos und unbegründet. Aber die Frage war und ist, ob der Grund trägt oder eher ein stygischer Sumpf ist.

19. Februar 2016
Die Gefährlichkeit dessen, der sich als unterlegenes Opfer drapiert, um in einem günstigen Moment den allzu zuversichtlichen Triumphierer niederzuschlagen. Gefährlich aber ist es auch für ihn, denn er ermuntert und verführt zu seiner präventiven Vernichtung.

18. Februar 2016
Um Alternative zu sein, müßte die Alternative ganz anders sein als das Bestehende, was sie im geschichtlichen Zeitraum niemals sein wird. Aber was ist sie dann überhaupt, da sie doch nicht einmal das Bestehende sein oder es kopieren kann?

17. Februar 2016
Nicht über Probleme zu reden, ist eines der Probleme. Nur darüber zu reden, ist ein weiteres. Und wenn denn geredet und gehandelt würde, würden neue Probleme geschaffen. Eine Lösung ist in manchen Konstellationen, das Mikrophon abzuschalten, das Regierungsbüro trotz des Lamentos über Freiheitsberaubung zuzusperren und dem Volk zu sagen: "Gehe deiner Wege."

16. Februar 2016
Einzelne, die vieles Einzelne sammeln und es für kurze Zeit der Zerstreuung entziehen.

15. Februar 2016
Soviel haben wir zu sagen und mehr noch hätten wir zu sagen, aber wie wenig davon wird gehört. Vom Verstehen und von Konsequenzen kann man nur schweigen.

14. Februar 2016
Auf der Plus-Seite verbuchen: Feinde, die vorerst stillhalten.

13. Februar 2016
Der Ausweg - immer nur einige Schritte hinaus aus der uns überblickbaren Misere in eine neue, andere. Die Suche nach dem nächsten Ausweg beginnt unverzüglich.

12. Februar 2016
Gibt es etwas Infameres als unvereinbare Versprechen an zwei Gegner - und etwas Typischeres für uns Zerrissene?

11. Februar 2016
Frieden durch Entferntheit und Defizit an Berührung.

10. Februar 2016
Es ist die Distanz, die uns schützt - groß genug, daß uns die Flucht noch sicher möglich erscheint und oberhalb jener Verzweiflungsschwelle, jenseits der uns Gegenwehr nur noch möglich ist im Bewußtsein der Unmöglichkeit unseres Sieges.

9. Februar 2016
Es gibt Verbrechen, die unumgänglich erscheinen um des eigenen Überlebens willen - so notwendig wie die Diktatur einer Minderheit, die ihre Liquidation zu befürchten hat.

8. Februar 2016
Unser kurzes Leben - verdoppelt durch unsere zahllosen Erinnerungen an Momente und Unterbrechungen und durch den dunklen Kontinent all des Vergessenen.

7. Februar 2016
Den Kampf von vornherein verloren haben die, die - ehe er noch begann - sich schon öffentlich festlegen, auf welche Mittel des Widerstands und der Vergeltung sie unbedingt verzichten werden.

6. Februar 2016
Die stets Bestimmten und Überstimmten glauben zu bestimmen, die Eingefrorenen glauben, sie bewegten sich, während doch nur die Eisberge schwungvoll auf sie zutreiben.

5. Februar 2016
Wir alle haben, wie verschüttet auch immer, eine Sehnsucht nach dem Krieg und eine Sehnsucht nach der Angst vor dem Krieg.

4. Februar 2016
Es ist der Rückweg, der Abstieg, der uns mehr Angst einflößt als alles zuvor.

3. Februar 2016
Eine mittlere Angst hält uns auf dem Seil und hilft uns vorwärtszugehen.

2. Februar 2016
Nicht einmal ein Fremder zu sein, weder eine Mehrheit für sich zu haben noch eine Minderheit, ist das größte Elend.

1. Februar 2016
Die Freunde unserer Jugend, von deren Tod wir nicht erfuhren, gewinnen eine Art Unsterblichkeit.


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