Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018 (siehe unter AKTUELLES).

31. Januar 2019
Wir leben vom Unerreichten, nicht vom Bisherigen.

30. Januar 2019
Gewinne an Raum durch langsames Gehen!

29. Januar 2019
Jede Rettung ist für den Moment oder nicht einmal für den Moment, sondern nur versprochen für einen späteren Zeitpunkt.

28. Januar 2019
Wer sollte in der Lage sein, einem Lyriker beim Schreiben zu helfen?

27. Januar 2019
Zu nichts zu gebrauchen - eine Auszeichnung!

26. Januar 2019
Warum wir begannen? Wir wußten es damals nicht und haben es unterwegs vergessen.

25. Januar 2019
Sie bevorzugen Rundumschläger, die keinen treffen.

24. Januar 2019
Die Pappkartonbauten der herrschenden Schönwetterarchitekten benötigen lediglich einen Dauerrregen.

23. Januar 2019
Dem, der keine Heimat hat, ist sie mehr als den Besitzern.

22. Januar 2019
Die Bedeutung der Heimat für den Heimatlosen.

21. Januar 2019
Wer sich verhüllt, sollte sich nicht darüber beklagen, mit Maskierten verwechselt zu werden.

20. Januar 2019
Der erste Schritt in ein neues Leben ist, an der Küste die alten Kostüme zu verbrennen.

19. Januar 2019
Der Angreifer hat kein Recht, sich zu wehren. Nur ein Recht zum Angriff.

18. Januar 2019
Deine Schuld? Das Deine, sonst nichts.

17. Januar 2019
Stets wird es die geben, die aus Stichworten Stichwaffen schmieden.

16. Januar 2019
Vieles ist verzeihlich – die Aufgabe des Eigenen ist immer ein unsühnbarer Verrat.

15. Januar 2019
Auffällig war an ihm, wie sehr er sich bemühte, nicht aufzufallen.

14. Januar 2019
Die Erinnerung an die Fluchten erleichtert die Flucht.

13. Januar 2019
Wieviel Anstrengung es kostet, Spuren ins Wasser zu zeichnen!

12. Januar 2019
Auschwitz – kein Museum, kein Abenteuerspielplatz, sondern der Mensch, in den Schrecken verschwunden.

11. Januar 2019
Welche eine Gnade, wenn der Tod dem Mörder den Mord verwehrt.

10. Januar 2019
Während in der Naturwissenschaft sich der Streit lediglich darum dreht, ob nun alles Wirkliche relativ sei oder ob es doch einen geringen seltenen Randbereich des Absoluten gäbe (die schwarzen Löcher, das Sein vor dem Anfang), wird in der Geschichtswissenschaft und im Politischen jede Relativierung empört verworfen. Während der Revisionsschacht in der Technik als unerläßlich oder zumindest hilfreich gesehen wird, führt das ebenso alberne wie verkommene Erbe einer albernen und verkommenen einstigen Linken zu einem moralischen Verdikt gegen eine Revision altbewährter Behauptungen.

9. Januar 2019
Das Wissen um die relative Richtigkeit der fremden Gedanken bewahrt vor dem Irrglauben an die eigene Allmacht.

8. Januar 2019
Ausreichende Distanz befreit Feinde von vielen möglichen Folgen ihrer Feindschaft.

7. Januar 2019
Besser ohne Gewalt getrennt, als garantiert beide Opfer.

6. Januar 2019
Verzweifelnd daran, zu erkennen, wer wir sind, suchen wir nach Erklärungen für unseren Namen.

5. Januar 2019
Schauspieler, die als lebende Skulpturen auf Almosen der Vorbeigehenden hoffen, aber die Mörtelschicht versteinerte und sie blieben erstarrt sitzen.

4. Januar 2019
Du, nur du, bist der letzte Mensch, der bei dir sein wird.

3. Januar 2019
Überhaupt, wie willst du wissen, ob das Foto, das der Mann am Nebentisch von sich und dem süßen Kind schießt, das Foto eines Vaters mit dem Sohn aus einer womöglich gescheiterten Ehe ist oder das Foto des Kindermörders mit seinem Opfer?

2. Januar 2019
„IN ORDNUNG SEIN“, nicht herausfallen aus der Ordnung der Marschierenden, die sich anfangs gegenseitig schützen und den Anschein erwecken, ganz vernichtet zu werden oder gar nicht.

1. Januar 2019
Die Strafe beim erneuten Lesen unserer einst geschriebenen Briefe: Wir verstehen uns nicht mehr. Schlimmer noch: Wir können uns nicht mehr glauben.


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