Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018 (siehe unter AKTUELLES).

31. Juli 2018
Empfinde und zeige Dankbarkeit für deine Feinde, so unerwünscht und unwillkommen sie sein mögen: Sie sind ungewollt deine Sparringspartner, sie halten dir die Räuberleiter für den Weg hinauf.

30. Juli 2018
Läßt es den Tag uns gehören, wenn wir sein Datum notierten?

29. Juli 2018
Immer sind die zentralen Worte dazu da, sich zu unterscheiden, nicht gleich zu sein.

28. Juli 2018
Ein Gedanke, der sich wieder entzog: Vielleicht nur, um zurückkehren zu können, reiner und näher an seiner Gestalt.

27. Juli 2018
Unabhängig von allen Begründungen für oder gegen eine Revanche wie ein guter Pole in der Zeit der Staatlosigkeit, wie ein guter Kurde unter der fortwährenden Besatzung oder in den begrenzt freien Homelands an die Möglichkeit des Unmöglichen, an das Wunder glauben – im preußisch-nüchternen Wissen um das Fehlen von Zeitangaben und Garantievereinbarungen.

26. Juli 2018
Es kommt auf das Jahr an: Nach Masada erschien eintausendachthundert Jahre lang die Revision so unmöglich wie die Entmachtung Hitlers 1936. Die Enkel der Römer trifft angesichts der zu Staub zerfallenen Ansprüche keine Schuld daran, daß diese zu einem neuen Leben erweckt wurden in einem ewigen Krieg.

25. Juli 2018
Wir halten Anteile an gefälschten Titeln, wir präsidieren den unter dem Sand der Zeiten verschwundenen Wüstenbistümern.

24. Juli 2018
Was bedeutet eine Erinnerung an einen bedeutungslosen Halt an einer Tankstelle am Gießener Ring, an ein Rasenstück und Brötchen? Ist es nur der Umstand, daß eine dabei war, der darin leuchtet?

23. Juli 2018
Die Antwort auf die Frage „Was hast du geschaffen, was willst du schaffen?“ sagt, selbst wenn sie in beredtem Schweigen besteht, alles über eine Person und ihr Potential.

22. Juli 2018
Verabsolutierungen und Reinraumphantasien gehören in die Welt der Märchen und Schlachtfestträume. Mit ihnen zeigt ein Historiker an, daß er den Staat aus Selbstschutz um ein Berufsverbot bitten sollte.

21. Juli 2018
Minderheit zu sein, allein zu sein ist der Preis jeder neuen Ansicht, jeder Einsicht in die Tiefen.

20. Juli 2018
Prometheus: Nur als Unsterblicher und Allmächtiger mehr als eine traurige und lachhafte Figur.

19. Juli 2018
„Unser Gott“: Aller und niemandes. Und doch uns näher als THE ONE AND ONLY unseres Leben.

18. Juli 2018
Die einen fürchten den Untergang, können aber nicht begründen, warum er erfolgen könnte. Die anderen leugnen jede Gefahr. Die dritten rebellieren gegen jeden Wunsch nach Erklärungen und Rechtfertigungen. Wir sollten die nicht fürchten, die mit uns predigen, und die nicht, die gegen uns predigen.

17. Juli 2018
Nur das Gleichzeitige ist wirklich vergleichbar. Das Zeitdifferente steht für sich, denn immer ist die Zeit ein essentielles Attribut.

16. Juli 2018
Welch ein Glück, wenn ein Herrscher, der alles zu schaffen versprach, in all seiner Hybris aus den Himmeln stürzt, ungebremst zerplatzt und nichts mehr schaffen kann.

15. Juli 2018
Wer würde einen Pfifferling geben auf die Weltsicht von Individuen der Gattungen Helicobacter Pylori oder Staphylococcus Aureus? Wir aber, abgestürzt in einen toten Winkel des Alls, treffen Aussagen über Anfang und Ende aller Dinge.

14. Juli 2018
Lange genug schweigen und zusehen, früh genug schweigend handeln.

13. Juli 2018
Die dümmste Illusion ist die, Besonderes zu wissen. Besonders ist immer nur die Fähigkeit, Fragen zu verbinden.

12. Juli 2018
Nur das Dunkle lohnt aufgeklärt zu werden.

11. Juli 2018
Nicht jeder, der unbeirrbar seinen schrägen Weg verfolgt, gelangt ans Ziel. Aber jeder, der an sein Ziel gelangt, hat unbeirrbar seinen schrägen Weg verfolgt.

10. Juli 2018
Er achtete darauf, die Schnecken außerhalb seines Gartens nicht zu zertreten.

9. Juli 2018
Neu zu tapezieren beschleunigt das Ende zerfallender Häuser.

8. Juli 2018
Länder in komfortabel miserablem Zustand haben in aller Regel eine radikal miserable Regierung. Sie abzusetzen befreit sie aus einer im Grunde unhaltbaren Lage.

7. Juli 2018
Bei der Spekulation auf die Geduld des Volkes sollte man kurze Laufzeiten bevorzugen: Selbst in Deutschland.

6. Juli 2018
Ein Land, in dem nicht mehr laut und offen NEIN gesagt wird, ist dem Untergang geweiht.

5. Juli 2018
Stets erscheint es uns, daß wir nicht das geworden sind, was wir werden wollten. Selbst wenn wir, ohne dieses implizit nach unten nachzukorrigieren, annähernd dem Ziel nahekommen, betonen wir das fehlende restliche Stück.

4. Juli 2018
Muß ein Spiel mit Worten mehr zum Ergebnis haben als ein Spiel mit Holzfiguren: ein Vertreiben der Zeit und das Erzielen eines bedeutungslosen Resultats?

3. Juli 2018
Verloren ist der, der sich nicht mehr findet.

2. Juli 2018
Etwas erfinden, das konsequent falsch ist.

1. Juli 2018
Reinheit: Nur in der Phantasie und auf der subatomaren Ebene..


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