Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018 (siehe unter AKTUELLES).

30. Juni 2018
Der Fortschritt rasiert die Vergangenheit, auch privatim.

29. Juni 2018
Man benötigt Jahre, manchmal Jahrzehnte für einen einzigen Satz.

28. Juni 2018
Bliebe der Weg hinter uns, wie wir ihn betreten haben, wäre es ein Stillstand, eine Aufhebung der Zeit. So aber können wir nicht zurück.

27. Juni 2018
Lieber ein stinkender Frühling als ein geruchloser Winter.

26. Juni 2018
Der Ausstieg nach links ist fast vollständig versperrt. Der Ausstieg nach rechts ist durch viele Ausstiegshilfen erleichtert.

25. Juni 2018
Wer als Neuankömmling erwartet, daß sein Weg leicht und hindernisfrei sein wird, der sollte sich zu dem großen Plan bekennen, die Berge entweder abzutragen oder durch Rolltreppen zu erschließen.

24. Juni 2018
Die Geschichte des Judentums (tua res agitur): Verletzt und gestählt, zerschlagen und gewachsen durch Mißachtung und Verfolgung.

23. Juni 2018
Es ist keine Kunst, unvollständig zu scheitern und die Kratzer zu reparieren.

22. Juni 2018
Seine Umstrittenheit empfahl ihn als Gegengift gegen Eintönigkeit und Langeweile.

21. Juni 2018
Der Erfolg verkleinert oder vergrößert die Wirkung, aber niemals das Wagnis.

20. Juni 2018
Weil du es schon wußtest und damit du es länger als heute weißt, habe ich es aufgeschrieben.

19. Juni 2018
Die KZ-Kommandanten in den Filmen sollten aus Gründen der Ehrlichkeit und Logik von aktuellen Regierungsführern gespielt werden, damit die Nachgeborenen begreifen lernen, wie aus Familienvätern hundsgewöhnliche Mörder mit Zeitverträgen werden.

18. Juni 2018
Manches Falsche begehen wir ohne Irrtum, einfach nur, weil wir falsch sind.

17. Juni 2018
Am Ende der Reise die große Müdigkeit und zumindest eine kurze Zeit der Ruhe ohne weitere Pläne. Insofern ist die Sicht auf das Leben als eine Reise eine Halbwahrheit.

16. Juni 2018
Zu einer Bilanz kommt es nur, wenn sie von außen erzwungen wird. Die ewig Kreislaufenden haben dafür weder Bedarf noch Antrieb.

15. Juni 2018
Geschichtsresümee: Die Moralisten als grottenschlechte Politiker, die guten Politiker allzumenschlich und frei von jeder moralischen Rücksicht. Der moralische Politiker als illusionäres Unikat.

14. Juni 2018
Je mehr eine alternativlose Macht verfault, um so mehr wächst die Bereitschaft, alles zu riskieren für ein anderes, das nichts zu versprechen scheint.

13. Juni 2018
In Ermangelung der Alternativen wird das kleinere Übel nicht größer, nur übler.

12. Juni 2018
Schon die konjunktivische Behauptung, was man getan hätte, hätte man damals gelebt, ist eine sprachliche und moralische Sünde.

11. Juni 2018
Daß alles richtig sein kann – sogar ein Lehrsatz aus dem ideologisch-theologischen Lehrbuch - konstituiert unsere essentielle und existentielle Unsicherheit. Zumal wir alle von uns wissen, wie böse wir werden können.

10. Juni 2018
Kriegskinder, die nach dem Krieg geboren werden.

9. Juni 2018
Über einen bestimmten Krieg kann nur schreiben, wer dabei war oder alles darüber gelesen hat, Über den Krieg zu schreiben erfordert nichts von beidem.

8. Juni 2018
Der Überblick wird bezahlt mit der Entfernung vom Geschehen.

7. Juni 2018
Du rechnest mit dem Schlimmsten? Auch du wirst oft enttäuscht werden.

6. Juni 2018
Wir werden einen Kapitän Bligh brauchen: hart, gerecht, den Aufgaben gewachsen. Die Meuterer werden sich teils gegenseitig totschlagen, teils sich in irgendein Rattenloch flüchten.

5. Juni 2018
Besonders laut die Machtlosen und Ohnmächtigen.

4. Juni 2018
Es gibt die tragische Konstellation, in der Menschen eines Volkes von dessen herrschender Minderheit unter halbem Beifall oder zornigem Schweigen der Mehrheit und gegen den Widerstand einer Minderheit ausgegrenzt und verraten werden. Es bedarf einer geradezu übermenschlichen Klarheit und Festigkeit dieser verfolgten Menschen, dem Volk, das sich so entfremdet und verfremdet hat, treu zu bleiben.

3. Juni 2018
Wie kannst du dein Volk verraten, ohne dich selbst zu verraten?

2. Juni 2018
Ernst Jünger in seiner berechtigten Verwunderung darüber, daß Deutsche sich etwas anderes wünschen konnten als den Sieg des Landes, das sie nicht als das ihre betrachteten.

1. Juni 2018
Eine Geburt ohne Blut und Geschrei?


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