Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018 (siehe unter AKTUELLES).

30. September 2018
Es gibt große Niederlagen und erbärmliche.

29. September 2018
Heimweh nach den Aschenhängen von Mordor.

28. September 2018
Das Spektakuläre verrät die Wahrheit.

27. September 2018
Der Teufel, sagen sie, werde dämonisiert.

26. September 2018
Das Neue blockiert, was davor war.

25. September 2018
Du solltest in deinem Garten mit Giftschlangen und Tigern rechnen. Schütze dich, sieh dich vor.

24. September 2018
Inmitten der Wiedergänger – spiele deine Rolle.

23. September 2018
Das Seltsamste ist, daß wir noch existieren.

22. September 2018
Ignoriere die Toten, sprich sie nicht an.

21. September 2018
Niemand hat das Recht, zu verschweigen, was er denkt und weiß. Aber manchmal ist es besser, sich gewaltsam dieses Recht zu nehmen.

20. September 2018
Was verloren scheint, ist doch noch da.

19. September 2018
Er hatte das Schauspiel des Untergangs schon in seinem Kopf genossen. Er beschloß, auf ein Wiedersehen zu verzichten und exilierte sich.

18. September 2018
Das Unendliche erfassen – du müßtest an seine Enden gelangen, um es zu umfangen.

17. September 2018
Die Qualitätsjournalisten des WDR berichten nicht allein knapp vorbei, daß FRANZ DEGENHARDT seine SCHMUDDELKINDER Ende der achtziger Jahre dichtete und sang, sie wissen auch, daß die Nazis die polnischen Städte Stettin und Breslau zerstört haben. Da wundert es auch nicht, wenn einer von ihnen RUBY, DON’T TAKE YOUR LOVE TO TOWN von Kenny Rogers einen WUNDERBAREN SONG nennt – Mordphantasien eines eifersüchtigen Gelähmten, nachvollziehbar, aber eben doch Mordphantasien.

16. September 2018
Vieles, was wir gestern geschrieben haben, ist uns heute unerreichbar und unwiederholbar.

15. September 2018
Der Satz HAWKING,DER GOTT FÜR VON ANFANG AN TOT HÄLT, IST TOT ist sicherer nachprüfbar als der Satz GOTT IST TOT VON ANFANG AN.

14. September 2018
Den Morden, die dem Ermordet-Werden zuvorkommen wollen, gehen Morde voraus und folgen. Die automatische Kette bricht erst, wenn ein Rand erreicht ist und die Pläne in den Köpfen absterben.

13. September 2018
Unsere Haut ist empfindlicher und wehrloser als unsere Hände.

12. September 2018
Jede Besitzerklärung ist nur die Vorwegnahme der dazu passenden Verlustmeldung.

11. September 2018
Zum Sommer wie zum Winter sagte er: „Ihr habt mich Kraft gekostet.“

10. September 2018
Wie die Teutonen waren die Kimbern überzeugt, sie hätten Rom aufgebaut. Auch die an der Donau Angesiedelten betonten, durch ihre Anwesenheit werde die Grenze des Imperiums ewig bestehen.

9. September 2018
Wortreichtum – unser einziger Besitz.

8. September 2018
Kennst du eine einzige wohlschmeckende Medizin? Allerdings gibt es auch bittere Gifte.

7. September 2018
Dankbarkeit im Politischen existiert als seltene Spezies. Wird ihr gesicherter Aufwuchs erwartet, dann ist das so ertragreich wie die Erwartung der dummen Polen 1939, die Franzosen würden ihnen, begeistert von der Erinnerung an den großen Puppenspieler Napoleon, zu Hilfe eilen gegen die dummen Deutschen und begeistert für Danzig sterben.

6. September 2018
Er schwankte zwischen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

5. September 2018
Was denn anderes, als daß sie nicht eintreten mögen, ist unser Ziel, wenn wir die Schrecken beschwören.

4. September 2018
ICH KANN NICHT KLAGEN, ICH HABE NICHTS ZU BEDAUERN, sagte der Dichter, dem nichts mehr einfiel, weil ihm sein privates Brennmaterial ausgegangen war.

3. September 2018
Die Träume, die uns zwischen den Fingern zerrinnen und so wenig zurückholbar sind wie jene Gedanken, die wir nur in Gedanken notierten: Unbotmäßige Untertanen in unserem in Illusion zerfallenden ephemeren Reich.

2. September 2018
Wir wünschen uns einen Zusammenstoß der Geister, der den anderen aus der Bahn wirft, hinab ins Nirgendwo – und wir bleiben weiter in unserem glücklichen Gleis.

1. September 2018
Unsere großen, mehr als tausend Seiten starken Bücher sind die, die unseren Kopf nicht verließen, ungeboren und früh schon erstickt.


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