Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

Romane · Kurze Prosa · Lyrik · Essays · Kinderbücher · Theatralisches
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TAGEHEFT

30. September 2016
Nichts zu wissen erzeugt die trügerische Hoffnung, für nichts verantwortlich zu sein.

29. September 2016
Ohne Schmerz zu leben ist ein Widerspruch in sich.

28. September 2016
Die unerreichbare Vergangenheit verfolgt uns, springt hinein in unsere gerade gegenwärtigen Augenblicke. Das, was sich nicht halten läßt, überformt das, was sich noch halten läßt.

27. September 2016
Einige: Niemals einig.

26. September 2016
Jeder Abstand schützt. Jeder Abstand schützt nur für einige Zeit.

25. September 2016
Kommen die Negativexistenzen zusammen, muß man verhindern, daß sie sich summieren können, Zu wünschen ist, daß ihre Versuche, sich gegenseitig aufzuheben, von Erfolg gekrönt sind, und sie da verharren, wo sie hingehören, bei Null.

24. September 2016
Die Allergie gegen Gedanken und Worte äußert sich oft genug als Abscheu gegen Aphorismen.

23. September 2016
Die Geschichte scheint vorbei, aber sie bleibt präsent als Verschattung der hell geschönten Panoramen.

22. September 2016
Unfähig, den ZEITRAUM zu erleben - die Toten zu sehen, die durch unsere Straßen gehen.

21. September 2016
Ein Medium des Widerstands mit Anzeigen für Auswanderungsberatung zu finanzieren ist eine der vielen Perversitäten unseres Daseins in maximaler Gespaltenheit.

20. September 2016
Die Zeit fällt von uns ab, wenn sie vorbei ist; den Raum um uns können wir nicht ausgliedern und mitnehmen in unserem Handgepäck - wir müssen leer aus einer alten in eine neue Leere gehen.

19. September 2016
Die Gleichheit eines verallgemeinerten Zieles ist ein Plus, die Gleichheit der Charaktere (wie einer seinen Weg geht) stets ein Minus.

18. September 2016
Der größte Fehler der Linken: Nicht mehr zuzuhören (es vielleicht schon verlernt zu haben), nur noch Lautsprecher zu sein, statt zu studieren das Einstudierte zu wiederholen. Stets beginnen so die Höllenfahrten.

17. September 2016
Überschreitet ein Staat eine kritische Größe (relativ zu den Nachbarn und den großen Spielern) droht Krieg. Unterschreitet er die Grenze relativer Gesichertheit und Saturiertheit, droht ihm, überfallen und geschluckt zu werden. Der mittlere Weg ist der schmalste.

16. September 2016
Das Unglück der Minderheiten, daß sie glauben, man könne nie genug Macht haben und es bleibe so günstig, wie es gerade ist. Regelmäßig schlagen dann die dazu mobilisierten Mehrheiten zurück.

15. September 2016
Feuer am Horizont - Diamanten, denen droht, Asche zu werden.

14. September 2016
Nicht einmal denen, die das Meer zu beherrschen scheinen, gehorcht es und gehört es.

13. September 2016
Nur das Unvergleichliche hat eine gewisse Größe.

12. September 2016
"Niemand", sagte er, "teilt meine Sicht der Dinge." "Aber", antworteten sie, "wie kann man die Welt sehen, wie niemand sie sieht?"

11. September 2016
Die Überzeugung, recht zu haben, erspart das Warten darauf, recht zu bekommen.

10. September 2016
Sinnlose Klage über die Sinnlosigkeit der Suche: Aber du durftest doch suchen.

9. September 2016
Willkommensunkultur: Die willkommen heißen, die es sein sollten, aber nicht sind.

8. September 2016
Die Ungreifbarkeit und Unbegreifbarkeit aller Begriffe, einschließlich des Begriffs BEGRIFF.

7. September 2016
Schone den Feind, der sich als Feind bekennt.

6. September 2016
Freiheit: Das Falsche ungestraft sagen zu können. Nur das. Dennoch der Zwang, die Freiheit für die potentiellen Abschaffer der Freiheit zeitweise abzuschaffen.

5. September 2016
Es schadet nicht, die Wegschilder zu lesen. Solange man ihnen aus Prinzip nicht traut.

4. September 2016
Es gibt verzweifelte Mörder.

3. September 2016
In die Politik zu gehen, ist die sicherste Garantie, ab sofort nicht mehr einen einzigen Freund zu gewinnen - dafür um so mehr Untertanen, Mitläufer, Nachahmer.

2. September 2016
Die wichtigste Qualität eines politischen Führers ist, nie sich selbst und immer wieder seine Verbündeten zu verraten.

1. September 2016
Wenn alle sich EUROPÄER nennen, sich nicht beteiligen, sondern selbst ein Europäer sein. Und sagen: ICH NICHT.




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