Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018, das vierte (2017-2018) 2019 (siehe unter AKTUELLES).

31. Oktober 2018
Die Vernetzten sind Gefangene.

30. Oktober 2018
Ruhestörung ist notwendig, um durch Reibung und Aufprall Wärme zu erzeugen.

29. Oktober 2018
Um sich zu kreisen ist besser, als in sich steckenzubleiben.

28. Oktober 2018
Stehenzubleiben, zu umkreisen, zuzufassen: Ohne das ist das Sichtbare unsichtbar.

27. Oktober 2018
Solange es eine Welt ist: Beschreibe deine eigene Welt.

26. Oktober 2018
Niemand kann dir deinen Weg wegnehmen, niemand kann dir auf ihm im Wege sein.

25. Oktober 2018
Zu Recht kannst du mir vorwerfen: DU KANNST NUR DEINEN WEG GEHEN. Mehr als das können wir nicht – ich nicht und du nicht.

24. Oktober 2018
Der Spalt zwischen Vater und Mutter, die Spannung zwischen ihnen ist notwendig für die Kinder. Die geschlossene Front erdrückt sie. Aber sie müssen dem Trennenden gewachsen sein.

23. Oktober 2018
Immer schon schien es mir, als sei Moral etwas Nützliches, um denen durch das Leben zu helfen, die ihrer bedürfen, um die gesellschaftlichen und staatlichen Prozesse beherrschbar zu halten. Jenseits dieses Funktionierens des Funktionalen scheint mir die Moral weder Autonomie noch Eigenwert zu besitzen. Erst recht spitzt sich dieses Problem zu, wenn es um sekundäre Subsysteme des Moralischen geht wie die Haustierliebe. Es gibt Tierfreunde, besser gesagt Tiervergötterer, die aus tiefster Seele den Hundefeind Goethe hassen, von G. Benn ganz zu schweigen.

22. Oktober 2018
Wir handeln mit Worten – frei von Verantwortung für deren Wirkung auf jene, die sich aufgerufen fühlen, und verantwortlich für das, was wird, ohne daß wir gefragt werden und nachsteuern können.

21. Oktober 2018
Mit Ausnahme derjenigen, die auf den Knien schreiben und derjenigen, die ausschließlich über Bienenflug oder Schraubendurchmesser berichten, ist jeder Autor ein Schreibtischtäter.

20. Oktober 2018
Der Teufel ist und bleibt ein Engel, für sich, für seinen Feind und Herrn.

19. Oktober 2018
Dankbarkeit für unsere Verletzungen, deren Einschmelzung wir ausbeuten und auflösen.

18. Oktober 2018
Die Dauerwerbesendung eines einzigen kurzen Films in Endlosschleife ist nicht wirkungslos. Ihre Wirkung ist die totale Abwehr gegen alles, was vergleichbar scheint.

17. Oktober 2018
Der Bodensatz möchte dauerhaft oben schwimmen.

16. Oktober 2018
Die militanten Befürworter einer nur von Ihresgleichen beherrschten Welt bestehen darauf, sie und nur sie seien zuviel.

15. Oktober 2018
Wir sollten denen Dankbarkeit erweisen, die aus unlauteren Motiven heraus uns unsere Schwächen und Erkrankungen offenbaren.

14. Oktober 2018
Geschliffene Worte ohne Verletzungsgefahr – undenkbar.

13. Oktober 2018
Jede Begünstigung ist, sobald sie allgemein bemerkt wird, eine Schande.

12. Oktober 2018
Bewußt zerstörte Kleidung zu tragen ist ein Symptom einer zerstörten, selbstzerstörerischen Gesellschaft, die sich an ihrer Zerstörtheit weidet.

11. Oktober 2018
Die Fremdheit, die wir beim Nachlesen unseres Geschreibsels Jahre später empfinden, spricht dafür, daß wir mit uns niemals allein oder unter drei sind.

10. Oktober 2018
Eine Krähe hackt zwei anderen vier Augen aus.

9. Oktober 2018
Wir wünschen uns, solange sie uns nicht bewachen und verteidigen müssen, Schoßhunde.

8. Oktober 2018
Es beweist nicht die Richtigkeit der Zerstörungen in den Wäldern, wenn in den Spuren der panzerartigen Holzräuberfahrzeuge ein einzelner Parasol gewachsen ist. So wenig wie eine einzelne Fluchttür in den Vernichtungslagern mehr aussagt als eine Chance nahe der Unmöglichkeit.

7. Oktober 2018
Die Zukunft kann man nur erobern (ohnehin nur verbal und rhetorisch) und nicht verteidigen.

6. Oktober 2018
Unter denen, die vom PÖBEL sprechen, sind genug Selbstbezichtiger. Erst recht unter Null sind jene, die, statt fröhlich zu gönnen, die Reichen ihres Reichtums wegen beneiden.

5. Oktober 2018
Wichtiger, als die Nutzung deiner Zeit und deines Hauses zu planen, ist dein physisches Überleben. Warum sollte das nur für dich gelten, warum sollten Politiker, die nicht die Fortexistenz ihres Landes an den Anfang und in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen, den mindesten Respekt verdienen?

4. Oktober 2018
Dein Garten beweist dir jeden Tag die Überlegenheit der wilden Pflanzen – nicht in ihrer Schönheit, aber in der Selbstbehauptung und Vermehrung.

3. Oktober 2018
Meist scheitern die Armeen an Schwäche und Verrat der Verbündeten und Hilfsvölker.

2. Oktober 2018
Sinn des Zeitablaufs ist, klüger zu werden oder doch die Hoffnung darauf zu haben. Ein anderer zu werden überlaß den anderen.

1. Oktober 2018
Wir kennen uns nicht. Aber – Wachsamkeit und Vorsicht vorausgesetzt – kann man auch mit Unbekannten zusammenleben.


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