Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017, das dritte (2015-2016) 2018 (siehe unter AKTUELLES).

31. März 2018
Die Umwege sind deine Umwege. Nur sie vermochten dich auf deinen Weg zu führen.

30. März 2018
Nur eines hilft den Übertretern: Nicht geschont zu werden und die klare und gute Grenze zu spüren, die sie zurückhält von ihren Verbrechen.

29. März 2018
Nicht einmal das Scheitern der anderen können wir glaubwürdig nachahmen oder nachempfinden.

28. März 2018
Daß aus Freunden Feinde werden, ist alles andere als ungewöhnlich. Daß umgekehrt aus erbitterten Feinden begeisterte Freunde werden, ist ausgesprochen selten. Der Feind verliert nicht nur seine Feindschaft. Er verliert sich. Er gibt sich auf, ohne mehr zu gewinnen als den Verlust seiner Irrtümer und Erbitterungen.

27. März 2018
Zu Recht bewundern wir die, die uns verdrängen und vernichten wollen. Zu Recht versuchen wir, ihnen das uns zugedachte Schicksal zu bereiten.

26. März 2018
Auch den Habenichtsen ist etwas zu nehmen: Ihre Wertschätzung der eigenen Nichtigkeit.

25. März 2018
Gedankenlosigkeit erübrigt das Warten und die eilige Verfolgung. Auch zu steigern ist sie nicht.

24. März 2018
Wer sich das Recht auf Selbstverteidigung erst zubilligen lassen will, der hat seinen Untergang verdient und schon besiegelt.

23. März 2018
Nicht die Etiketten entscheiden über den Erfolg einer Zucht.

22. März 2018
Solange die Mischung nicht zur Zwangsuniform wird, ist sie hinzunehmen als zwar nicht unvermeidlich, aber weder gut noch schlecht.

21. März 2018
Wie kann das, was einem Verbrecher in Ausführung eines Verbrechens zustößt, anderes sein als ein vielleicht sogar bedauerlicher Zwischenfall?

20. März 2018
Falls er seinen Besitz nicht bewußt und ganz aus eigener Überzeugung abgibt, hat der Besitzende die Pflicht, sich und sein Eigentum entschieden vor Nachstellungen zu bewahren und dem Dieb zu beweisen, daß der Diebstahl heil- und aussichtslos ist.

19. März 2018
Nur Trickdiebe und Räuber benutzen die Redensart vom REICHEN LAND.

18. März 2018
Schon gegenüber der Schreibmaschine waren wir Sklaven der Mechanismen. In dieser Lage kann nur freie Arbeit uns adeln.

17. März 2018
Deine angeblich globale Perspektive ist in Wirklichkeit die europäische eines Europäers, der sich verrät und aufgibt. Auch durch Kauf oder Diebstahl gelangst du nicht in die Haut eines Nicht-Europäers. Dir bleibt nur die Wahl, das Eigene zu verteidigen und dich vielleicht sogar zu retten, oder aber dich dem Fremden zu unterwerfen, der dich niemals in das Seine aufnehmen kann und wird.

16. März 2018
Weitaus das Beste ist, den besten Weg zu gehen. Aber jeder, der einen gangbaren Weg findet, ist besser als derjenige, der nur in Gedanken unterwegs ist.

15. März 2018
Ein Land wird verteidigt, wenn die Augen offen sind und die freundlich winkenden Hände im Notfall unverzüglich zur Faust werden können.

14. März 2018
Es ist unvermeidlich, daß auch die Feinde eines Reiches von dessen Zustandekommen und Existenz profitieren.

13. März 2018
Wer wird nicht einen spät Bekehrten einem früh Abgefallenen vorziehen?

12. März 2018
Wer weiß, daß er im wesentlichen recht hat, sollte nicht erwarten, daß er Recht bekommt oder auch nur darauf warten.

11. März 2018
Die, die sich abholen ließen da, wo sie steckengeblieben waren, die sich mitnehmen ließen aus der einen Sackgasse in eine andere, enden an demselben Haken wie ihre Menschenfischer.

10. März 2018
Unser Plus ist die Differenz zu den Minusmenschen.

9. März 2018
Wer als Berechner über die Zahl seiner Toten rechtet, mißbraucht und mißachtet das Andenken an sie.

8. März 2018
Den, der sich tätowiert, kann ich nicht begreifen. Ich will und kann sein Handeln nicht nachvollziehen. Ich kann den Depressiven behandeln, aber nicht miterleben, was er fühlt. Grenzen, immer nur Grenzen – inmitten des Widerspruchs, sich zur Not umbringen zu können, ohne den Selbstmord zu akzeptieren.

7. März 2018
Wie es sich lächeln läßt – das Illusionszerplatzen vorweg schon spürend.

6. März 2018
Die Freiheit des Selbstmörders: Die des Verbrechers. Er beraubt die Natur, die Gesellschaft, sich selbst. Er tritt den göttlichen Funken aus.

5. März 2018
Deinen eigenen Weg kannst du verlassen und verlieren, aber rauben kann ihn dir niemand außer du selbst.

4. März 2018
Frieden: Zeit, in der der Krieg nachklingt und vorglüht.

3. März 2018
Die Brennpunkte am Rande sind ungleich schwerer zu verteidigen als die verstreuten verborgenen Glutherde.

2. März 2018
Wir haben nur Tage.

1. März 2018
Nur einmal muß man sterben.


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