Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017 (siehe unter BÜCHER).

31. März 2017
Warum ich? Ein unbeantwortbares Fragewort und ein unbeschreibbarer Gegenstand.

30. März 2017
Man kann einen Menschen zum Thema machen, aber nur in einem musikalischen Sinn als unfaßbar entschwebender Klang.

29. März 2017
Die Fortschrittsgläubigen tischen uns die fortgeschrittensten Früchte auf.

28. März 2017
Wenn die Verbrecher Gerichtstag halten, sollte man wissen, wer ihnen die Freiheit gab und wer Gutes tun wollte. Ihnen wohlgemerkt.

27. März 2017
Der, der keinen Sinn in der Welt sieht, beweist seine Unfähigkeit, dem Leben Sinn zu geben und deshalb Sinn in ihm zu sehen.

26. März 2017
Wieviel Chaos und Feuer wollt ihr, ehe ihr entflammt genug seid?

25. März 2017
Dir erscheint es verboten, dich mit aller Kraft zu wehren? Du setzt auf die Kraft der Werte und deiner Argumente? Du willst mit Papier rascheln, um den Sturm zu übertönen und zu vertreiben?

24. März 2017
Die Ferne ist bestens geeignet, um sich zu verlieren.

23. März 2017
Der Antisemitismus ist immer Neid auf alle Juden. Auch wenn es durchaus absurd ist, neidisch zu sein und sich unterlegen zu fühlen auch gegenüber jenen Juden, die offenkundig dumm, kleinkariert und erbärmlich sind.

22. März 2017
Das Imaginäre der Existenz: Werdend vorhanden und verwesend unvorhanden.

21. März 2017
Neunzig Prozent der intellektuellen Arbeit entfällt auf Verneinung. Der Geist aber ist vor allem DAS JA ZUM GÖTTLICHEN SELBST.

20. März 2017
Wer den Irrglauben an die eigene Allmacht überwunden hat, wie sollte der nicht mißtrauisch sein gegen sich und alle?

19. März 2017
„Niemand unbegründet“. In der Tat, selbst wenn demjenigen seine persönlichen Gründe unbekannt sind, dürfte er so gut wie immer Gründe haben oder diese zumindest nachschieben können. Aber wird er dir alle seine Gründe mitteilen, so daß du weißt, worauf du dich einzurichten hast? Oder wird er lediglich annehmbare Formeln vorbringen, um dahinter seine weniger positiven Absichten zu verbergen? Und selbst in dem Fall, daß er reinen Gemütes ist, wird, was er tut und was aus seinem Handeln wie seiner bloßen Anwesenheit folgt, ebenso wohltuend sein?

18. März 2017
Niemals wirst du mit absoluter Sicherheit entscheiden können, ob das Schweigen des Schweigenden auf ein Versagen der Stimme, einen Ausfall der Denkfunktion oder die ideale Strategie zur Vermeidung einer Falschaussage zurückzuführen ist. Niemals überschreitet das Schweigen von unten her die Null-Linie.

17. März 2017
Die Gnosis ist der absurde Versuch, durch Wissen(schaft) und Riten Gott einzufangen und zu besitzen, statt einfach nur zu glauben. Der wahrscheinlichste Weg, um Gott nicht nahezukommen.

16. März 2017
Gesinnung ohne Besinnung ist ein Wettrennen ohne Kopf.

15. März 2017
Wir sind unsere Fiktion, das künstliche Produkt, das wir aus den stummen Ergebnissen unseres Lebens destillieren.

14. März 2017
Wie getrennt wir von denen sind, die vor uns waren - erst recht, wenn wir nur über Adam und die Troglodyten miteinander verwandt sind. Wir erreichen ihre Zeit niemals; wir können uns nur Bilder machen und Ahnungen erhaschen.

13. März 2017
Im Raum erscheint uns alles erreichbar, aber wir erreichen jeden Punkt dort nur zu einem bestimmten Zeit-Punkt und ebendieser ist in Kürze nie mehr wieder erreichbar.

12. März 2017
Aus der Existenz folgt die Möglichkeit des Denkens, aus dem Denken die Möglichkeit der Existenz. Die Wirklichkeit des Denkens ist das Denken, die Wirklichkeit der Existenz die Existenz.

11. März 2017
Ich denke ICH BIN. Der Beweis meiner Existenz ist ein Denkbeweis, er existiert im Denken. Für meine Existenz ist er nichtig oder allenfalls existentiell.

10. März 2017
Es ist keine Schande, eine Utopie gehabt zu haben. Es ist nicht einmal eine Schande, eine Utopie zu haben. Es ist aber eine Schande und ein Verbrechen, eine Utopie verwirklichen zu wollen.

9. März 2017
Aus dem Orient die tiefsten Wunden und deren tiefste, unverheilte Schicht. Die westlichen Jahrhunderte hinterließen nur oberflächliche Kratzer.

8. März 2017
Eine weibliche oder männliche Hure so berühren, daß sie berührt ist – im täglichen Leben ein kleines Wunder, im Politikgeschäft eine unglaubliche Sensation.

7. März 2017
Die Integration der Feinde? Aber wohin denn? In die Gefangenenchöre? Soll man sie mit Beißschutz an den Tisch des Herrn bitten?

6. März 2017
Die Zwerge fürchten und hassen alle Riesen - die kleinen, weil sie ihnen näher und zugänglicher sind und verwandter erscheinen, noch mehr als die riesigen.

5. März 2017
Vor dem Abgrund rufen sie nach Tiefe.

4. März 2017
Immer wieder glauben wir für Augenblicke, ein anderer zu sein (wie wir waren, wie wir sein wollten) und sind doch der alte Adam. Aber wenn wir annehmen, uns gestellt zu haben und eben der eine nur zu sein, entgleiten wir uns und sind uns fremd.

3. März 2017
An der Wegstrecke wirst du nicht ablesen können, woher jemand kam und was ihn sein Entschluß kostete, diesen Weg zu nehmen.

2. März 2017
Der Verzicht auf Riten verlangt eine Steigerung im Glauben.

1. März 2017
In jedem Zweifel steckt ein Gewinn an Möglichkeiten. (Auch zu Irrtümern.)


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