Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

Romane · Kurze Prosa · Lyrik · Essays · Kinderbücher · Theatralisches
Künstlerische Photographie · Kopier-Kunst · (Material)Bilder



TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017 (siehe unter BÜCHER).

30.Juni 2017
Nimm den Erdrutsch als Meinungsäußerung!

29.Juni 2017
Selbst wenn der Wal schon zu Lebzeiten gestrandet sein mag (wir alle sind nach dem Tod, selbst wenn unsere Schöpfungen überleben, als Privatpersonen kaum mehr als kopflose stinkende Fische) - einst ist er geschwommen. Darum sollte es gehen.

28.Juni 2017
Wir suchen die inneren Inseln, die sich in den Nebeln zu verbergen scheinen. Sähen wir sie, könnten wir sie erreichen?

27.Juni 2017
Eine Opposition, die ein Lebenszeichen benötigt, um bemerkt zu werden, ist schon tot.

26.Juni 2017
Es braucht die Sonne, damit die Schatten wachsen können.

25.Juni 2017
Wir bevorzugen es, uns selbst zweidimensional zu sehen.

24.Juni 2017
Wer nicht mit allem rechnet, kann nicht rechnen.

23.Juni 2017
Nur das Verborgene und Unerreichbare hat Kraft und gibt Kraft.

22.Juni 2017
Zu begreifen, daß der Wunsch nach Gleichheit und der unendliche Prozeß der Angleichung nur solange gut ist, wie man nicht gleich wird.

21.Juni 2017
Einheit im Handeln ist notwendig. Für sich zu sein, ich selbst zu bleiben, ist noch notwendiger.

20.Juni 2017
Wer nicht seine angeblich nationalistische Nationalhymne mitsingt, wer nicht von seinem eigenen Glauben (wenn er ihn denn hat), von Gott und Christus zu sprechen wagt, wer nicht mit seinem Eigenen und Besonderen den verletzt, dessen Recht es ist, sich verletzt zu fühlen, ohne daraus weitere Rechte ableiten zu dürfen, der hat nichts Besseres verdient, als unter den Schlitten zu kommen.

19.Juni 2017
Die diversen luftumhüllenden "Eisernen" weisen schon in ihrem Beinamen auf den ihre Existenz gefährdenden Flugrost hin.

18.Juni 2017
Sowenig wie die Regierenden einen neuen Menschen schaffen können, wird ein Autor aus jedem der Käufer seiner Bücher einen seiner Leser machen können.

17.Juni 2017
Der Wein gewinnt an Geschmack und Wert, während er an Menge verliert.Es hilft, Gedanken nicht zu Papier zu bringen, bis sich ein Teil von ihnen verflüchtigt hat und die Essenz ganz unten einen hinlänglichen Rest bindet.

16.Juni 2017
Ein anspruchsvoller Leser wird scheitern. Möglichst anspruchslos, frei von Forderungen nach Erfüllung definierter Bedürfnisse heranzugehen - darin liegt eine Chance für den Eintritt in die gläsernen Luftschlösser. Hunger nach Unerwartetem ist hilfreich.

15.Juni 2017
Es gibt Leser meiner Bücher, die nie zu meinen Lesern gehören werden. Bemühen muß man sich ohnehin, aber man muß auch in dieser Beziehung geboren sein für das Spezielle.

14.Juni 2017
Ein Versprechen der Kandidaten, es werde nicht schlimmer werden, wäre schon ein Fortschritt.

13.Juni 2017
Glückliche Zeiten, als wir Fremde Fremde sein durften und nicht erwartet wurde, willkommen zu sein!

12.Juni 2017
Die krebszerfressene, krebsverbreitende Mauer, die eine Generation lang Deutschland trennte - kriegsbedingt und potentiell kriegserzeugend.

11.Juni 2017
Besser als andere erinnern sich die Juden, wer sie vertrieb und wer sie schützte und wie sie fast zweitausend Jahre lang zur Minderheit wurden in ihrem eigenen heiligen Land. Das Schicksal, vor der Alternative zu stehen, womöglich sich und ihre Überlegenheit nun ebensolange zu verteidigen oder aber in einer letzten Festung einen letzten Kampf auszutragen, haben sie sich nicht ausgesucht.

10.Juni 2017
Die Terroristen zerfallen in zwei Gruppen: die wenigen, die erst ein privates Martyrium benötigten, um Terrorist zu werden, und die große Mehrheit, die sich von Anfang an als Märtyrer fühlte.

9.Juni 2017
Die Ehrlichen mögen zunächst die Dummen sein, aber sie können ja aus der Bestrafung ihrer Ehrlichkeit lernen.

8.Juni 2017
Die muffigen Finsterlinge des medialen Bodensatzes wollen uns einreden, eine Zeit, in der Jesus Christus und Albert Schweitzer die wichtigsten Vorbilder der Jugend waren (wie imaginär und idealistisch auch immer), die Staatsfinanzen unzerrüttet waren (Überschüsse unter dem Finanzminister Fritz Schäffer), genug Kinder geboren wurden, frei und grenzüberschreitend studiert werden konnte, die Kriminalität gering war, würdevoll-schlichte Bauten wie im Kölner Gerling-Viertel entstanden usw. usw., sei finster und muffig gewesen.

7.Juni 2017
Wie selten und kostbar die Menschen sind, die dienen wollen und herrschen können.

6.Juni 2017
Stets ist die Vergangenheit kein Steinbruch, aus dem Baumaterial abgeholt und implantiert werden kann, stets ist sie eine ruinöse Hexenküche, halb ausgebrannt, halb unter Dampf.

5.Juni 2017
Jedes Werk, auch das vollendete, ist ein an der fraglichen Stelle abgebrochenes Fragment.

4.Juni 2017
All die ungeschriebenen Vorworte, die unnotierten Präludien ungeschehener Geschichten!

3.Juni 2017
Wir meinen, wiederholen zu können, und doch ist schon der nächste Augenblick ein anderer, ebenso unwiederholbar wie der vorangegangene. Selbst in der Verkettung der Umstände ist die imaginäre Kette nicht zu greifen.

2.Juni 2017
Wir verstehen achtzig bis neunzig Prozent unserer Landsleute nicht. Ihre Leidenssehnsucht, ihr blindes Vertrauen, ihre Widerstandsverweigerung, ihr Glaube an das Gute noch im vereidigten Verbrecher sind uns unzugänglich. Et vice versa. Und wir sollen Fremde verstehen? Verstehen womöglich unter Einsatz unmittelbaren Zwanges?

1.Juni 2017
Sich zu arrangieren mit der im Nachbarhaus ausgebrochenen Seuche ist keine gute Idee.


 zum Seitenanfang