Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

Romane · Kurze Prosa · Lyrik · Essays · Kinderbücher · Theatralisches
Künstlerische Photographie · Kopier-Kunst · (Material)Bilder



TAGEHEFT

30. Juni 2016
Wer diskutiert, hat manchmal unrecht. Wer nicht diskutiert immer.

29. Juni 2016
Vernetzt - es ist das Netz, in dem sie uns fangen und halten wollen.

28. Juni 2016
Unsere Welt, unsere Freudensprünge - und unten kriechen Würmer unschuldig und unwissend des Weges.

27. Juni 2016
War Himmler der Retter der Juden, weil er einige einige Zeit und andere dauerhaft überleben ließ? Ist der Mensch ein Retter und Bewahrer der Natur? Tatsächlich zu retten bedeutet, nicht zu retten, tatsächlich bewahren bedeutet, zuzusehen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

26. Juni 2016
Wie grausam sind die Politiker zu ihren Anhängern: Sie bestätigen die Vorurteile ihrer Kritiker vollständig und übertreffen sie noch.

25. Juni 2016
Der Umbau von Musikinstrumenten mit Teilen aus Elfenbein und Echsenleder, weil sie ins Ausland sollen und in strikter Befolgung des Artenschutzabkommens, das nicht umsonst das WASHINGTONER heißt.

24. Juni 2016
"Er kannte ihn lange Jahre", sagt eine Radiodame über einen Menschen, der jemanden zuerst vor sechs Jahren sah. Wie ungenau die Zeit, wie unser Gerede über sie hundertfach ungenauer ist.

23. Juni 2016
Wie armselig die Versuche reicher Kirchen, ihre Liquidation abzuwenden. Der Mut und der Widerstandsgeist ist am ehesten bei den armen und den neuen Bekennern zu finden.

22. Juni 2016
In so vielem sind die Feinde dir gleich. Aber sie unterscheiden dich von sich und ihren Freunden. Du solltest dich von ihnen unterscheiden, du solltest unterscheiden.

21. Juni 2016
Das Theater erwarb sich Verdienste bei der Erfindung der Photographie und bei der Entstehung der Politik.

20. Juni 2016
Etwas zu wünschen ist nicht fatal, aber unbedingt auf dem Wunsch zu bestehen, ist es.

19. Juni 2016
Die Eisbären - unfähig zur Grausamkeit.

18. Juni 2016
Im kleinen Maßstab beginnt alles harmlos - in der Polis, in der Familie, im Spiel.

17. Juni 2016
Die lyrische Art des Erinnerns: verklumpt, verformt, verfremdet, verdichtet. Die prosaische: exakt, vollständigkeitsbemüht, ausgekühlt.

16. Juni 2016
Die Krönung des Kaisers Napoleon des Ersten durch unseren Heiligen Vater, den Papst Pius den Siebten, le 12 Primaire im Jahre Dreizehn, die Iustitia mit der Waage im Hintergrund – ein Theaterstück mit neu erfundenen und bald verschwundenen Zeitangaben.

15. Juni 2016
Die Unendlichkeit der Gegenstände und Geschichten, die Unendlichkeit der Worte – wie wenig wir sehen, hören, sprechen im unablässigen gehetzten Fluß unserer Äußerungen.

14. Juni 2016
Halte dich an dich, halte dich an dir!

13. Juni 2016
Armut erleichtert das Ordnen.

12. Juni 2016
Man muß eine Richtung haben und ein Ziel sehen, um annähernd zu ahnen, wohin Umwege uns führen können.

11. Juni 2016
Wir bleiben da, wo wir nicht bleiben können. Als hülfe es, schweigend die Augen zu schließen.

10. Juni 2016
Wen HABEN wir denn? Wenn wir etwas sind, dann sind wir mit Menschen, allein wie alle.

9. Juni 2016
Das ist das, was bleibt: Die Gedichtzeile „Daß du einmal nicht mehr sein wirst“.

8. Juni 2016
Tragisch? Nicht der blühende Kirschbaum vor unserem Fenster ist tragisch – uns ist es tragisch, wenn wir den Baum seine Blätter verstreuen sehen, die im Gras und mit dem Gras verschwinden.

7. Juni 2016
Welch eine Nachricht in den Nachrichten: Der Justizminister zwitschert ein Adieu, leider nicht in eigener Angelegenheit.

6. Juni 2016
Wer dir etwas verkaufen will, der will dich für dumm verkaufen. Das ist eben Politik: Der angebliche Kunde ist die Ware. Er soll abgezogen werden, bis auf die Haut. Er soll sich anstellen zur Schlachtbank.

5. Juni 2016
Grenzen in der Zeit. Für Liebende, die ohne Unterbrechung von einem Tag mehr als eine Nacht zusammenliegen, wird es nach und nach schlechter. Für Gäste und Gastgeber, die ohne Unterbrechung von einem Monat länger als eine Woche zusammenbleiben, wird diese eine Woche ihre beste Zeit gewesen sein. Hilft man einem Fremden länger als ein Jahr, ohne daß er ein Jahrzehnt lang sich selbst hilft, werden wir ihn hassen und verachten lernen.

4. Juni 2016
Sie fürchten sich, sie hassen sich und – um ihren Bauchnabel kreisend – betteln sie, daß man sie von sich und die Welt von ihnen befreit.

3. Juni 2016
Die, die nichts hervorbringen, sollten freiwillig zuhause bleiben, wenn es zu ernten gilt. Ein frommer Wunsch.

2. Juni 2016
Bewußt diskriminieren: Das Beste als das Wichtigste auf Platz EINS setzen.

1. Juni 2016
Vorbereitung auf den Krieg – von denen, die den Krieg wollen und vorgeben, ihn nicht zu fürchten, und von denen, die ihrer Furcht und dem Gefürchteten gewachsen sein wollen.


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