Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017 (siehe unter BÜCHER).

31.Juli 2017
Das Bedeutende an einem aussichtslosen Kampf ist seine Aussichtslosigkeit.

30.Juli 2017
Ein Stamm litt sehr unter seinen Nachbarn, die Rinder und Schafe stahlen. An einem sonnigen Herbsttag vertrieb der Stamm diese üblen Quälgeister. Aber nach mehreren glücklichen Jahren der Sicherheit erschien ein Trupp, der schon in der zweiten Woche seiner Anwesenheit in den Grenzgebieten einige der Frauen des Stammes vergewaltigte – mit der lächelnd vorgebrachten Begründung, sie seien nun einmal Frauen und außerdem fremde Frauen. In einer Neumondnacht überfiel der Stamm die Unholde und tötete sie aus Rache und für die eigene Sicherheit. Alles war gut, ein fast menschenleerer Raum umgab das Land, bis wenige Jahre später ein Volk kam, das nicht verhandelte, aber dafür handelte und den Stamm ausrottete bis auf den letzten Mann, die letzte Frau und das letzte Kind.

29.Juli 2017
Dieses Jahr gebe ich dir das Geld, das ich dir letztes Jahr abgenommen habe. Ich erwarte Dank.

28.Juli 2017
Eine Kultur, die sich selbst nicht mit aller Kraft und allen ihr entsprechenden Mitteln verteidigen will, hat sich schon aufgegeben und erledigt.

27.Juli 2017
Was macht es in den Köpfen, wenn der MENSCH zum HOMO wird? Schimpfend und verächtlich von den Feinden der Homosexuellen, lobpreisend von diesen selbst und ihren Unterstützern.

26.Juli 2017
Schwieriges Recht ist Unrecht.

25.Juli 2017
Im Ring sollte man keine Reden halten.

24.Juli 2017
Die Wehr- und Hilflosigkeit als Naturkonstante. Das Wasser kann sein Versickern nicht verwehren, der Tiger seinen Sprung so wenig verhindern wie der Stern sein Verlöschen. Anlaß genug für Trauer und Aufgabe.

23.Juli 2017
Non omnis vivebam.

22.Juli 2017
Getragen, das ganze Leben durch getragen. Selbst in den Todesfluß steigen wir nicht aus eigener Kraft.

21.Juli 2017
Sie fürchten sich, sie hassen sich und – um ihren Bauchnabel kreisend – betteln sie, daß man sie von sich und die Welt von ihnen befreit.

20.Juli 2017
Die, die nichts hervorbringen, sollten freiwillig fehlen, wenn es etwas zu ernten gibt.

19.Juli 2017
Bewußt diskriminieren: Das Beste als das Wichtigste auf Platz Eins setzen.

18.Juli 2017
Vorbereitung auf den Krieg – von denen, die den Krieg wollen und vorgeben, ihn nicht zu fürchten, und von denen, die ihrer Furcht und dem Gefürchteten gewachsen sein wollen.

17.Juli 2017
„Ich schäme mich so“, sagte er, „als der Mann auf uns zukam, wurde er erschossen.“ „Aber warum schämst du dich?“ „Weil nicht ich es war, der geschossen hat.“

16.Juli 2017
Das Wünschenswerte wird nicht geschehen. Die Verbrecher werden nicht freiwillig in die Gefängnisse kommen, die freiwillig Unwissenden werden nicht plötzlich zu lernen beginnen. Wer aber könnte sie bewegen, andere zu werden?

15.Juli 2017
Jeder von uns Herrscher eines in der Zeit schrumpfenden Königreichs. Manchmal eher eines Stadtstaats, der hinter verfallenden Mauern bis zum Ende behauptet wird – keinen Tag länger.

14.Juli 2017
Nicht einmal darauf ist Verlaß, daß die Nazis sich Nazis nennen und daß die, die sich so nennen, die gefährlichsten sind.

13.Juli 2017
Brotlosigkeit ist ein Pech, das Korrumpierbarkeit verhindern könnte, wenn nicht der Hungernde nach jedem Krümel haschen würde.

12.Juli 2017
Die Reisenden flüchten leichter.

11.Juli 2017
Die Überempfindlichen erleben das, was wir Gewöhnliche uns verschließen: Die Durchblicke in vergangene Zeiten, in das Leben der Vorfahren, deren Gene wir in uns tragen – schlafend, nur vermittelt wirkend.

10.Juli 2017
Sieh deinen Feind als einen, der bei dem Versuch, anderes und Besseres zu werden, gescheitert ist.

9.Juli 2017
Wenn die Freunde absagen und sich zurückziehen, kannst du dich nur an die Feinde deiner Feinde halten. Wie am Ende der zwölfte Karl.

8.Juli 2017
Vermitteln kann nur ein extrem unabhängiger Extremist.

7.Juli 2017
Nicht nur in den Wahlverwandtschaften verursacht der Mittler die Katastrophe, ist er selbst eine Katastrophe an sich.

6.Juli 2017
Die Rückzugsmöglichkeiten parat zu haben ist die wichtigste Bedingung des Sieges. Auf die Dauer überlebt nur derjenige Räuber, der seine Flucht noch besser plant als den Raub.

5.Juli 2017
Zuerst einfach nur schauen, wer Freund und wer Feind sein könnte und wer ausweicht ins Neutrale. Dann, falls die Zeit dazu bleibt, lange prüfen und sich prüfen. Erst dann dem Feind die eigenen Waffen zeigen und sich vorbereiten, ihn niederzuwerfen.

4.Juli 2017
Toleranzprobe – wenn die Sicht des anderen auf die Welt mir Schmerzen bereitet.

3.Juli 2017
Vorschlag: Ein Ministerium für die Entwicklung der Unterscheidungsfähigkeit.

2.Juli 2017
Unsere Zufriedenheit beim Ordnen der kleinen Dinge: Als ließe sich so das Leben ordnen.

1.Juli 2017
Niemand kann den Weg eines anderen nachgehen, wie er ihn ging, denn hinter den Füßen des Vorgängers löst sich die diesen begleitende Konstellation auf. Für den sekundären Betrachter genügt es zur Sichtung der Ergebnisse, die Wendemarken und die eingeschlagenen Abzweigungen parat zu haben.


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