Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017 (siehe unter BÜCHER).

30. Januar 2017
Das klarste Wort beim Appell ist das Schweigen.

29. Januar 2017
"Bleibt an meiner Seite", sagte der Sterbende zu seinen Anhängern, die um sein Bett standen und dieses eine Mal sich sofort einig waren in ihrer Zustimmung zu seinem Anliegen.

28. Januar 2017
Das Unbezahlbare ist unverkäuflich.

27. Januar 2017
Was der Satz WIR WERDEN BLEIBEN bedeuten kann, dazu sollte man die Vertriebenen hören.

26. Januar 2017
Der Wunsch nach Restitution ist äußerst wahrscheinlich, seine Erfüllung eine unwahrscheinliche Ausnahme.

25. Januar 2017
Eine goldene Wahrheit in einer Verlautbarung der GRÜNEN: Özdemir sei der Kandidat, der mit seiner Biographie und seinem Profil wie kein anderer in die Zeit passe.

24. Januar 2017
Schrumpfende Staaten verdrängen die Tatsache, daß da mehr war, als jetzt noch ist. Ganz verloren sind sie, wenn sie bei sich die Alleinschuld für die Verluste sehen und diese als verdiente Quittung für eigenes Fehlverhalten bejahen.

23. Januar 2017
Nichts kann den ruhmlos Gebliebenen an der Gewißheit hindern, nach seinem Tode gewürdigt zu werden.

22. Januar 2017
Der geringste Teil des Ruhmes geht an den Gerühmten. Andere haben von seinem Ruhm genug.

21. Januar 2017
Die Zwerge sind viele und meist im Weg. Aber man muß sie übersehen und über sie hinweg das Wegstück sehen, wo sie verschwunden sein werden.

20. Januar 2017
Das Negative läßt sich nur imaginär addieren.

19. Januar 2017
Wenn REFORM zum Synonym für VERSCHLECHTERUNG geworden ist, dann ist das Beharren auf dem Status Quo klüger, als sich von Versuchsanordnungen in Versuchung führen zu lassen.

18. Januar 2017
In der Wüste und inmitten der Stürme ist eine winzige Ernte ein großer Erfolg.

17. Januar 2017
Nichtssagendes sagt uns, daß der Schreiber nichts zu sagen hat.

16. Januar 2017
1449 galt in Byzanz als Grundgesetz noch unangefochten das Römische Recht - in griechischer Reformversion. Das Grundgesetz in Deutschland 2049?

15. Januar 2017
Statt zu sagen "In unserem Gärtchen sind bisher nur einzelne große Pfützen zu sehen", orakelte er "Es wird keine Überschwemmung geben, zumindest in unseren Ländern nicht". Wenn die Schrift an der Wand erscheint, hilft es wenig, die Augen zu schließen oder auf die leeren Wände zu starren.

14. Januar 2017
Der zum Tode Verurteilte wird als souverän bezeichnet, weil er die Menüfolge am Vorabend seiner Hinrichtung frei bestimmen darf.

13. Januar 2017
Man benötigt einen stillen Winkel, um sich eine Welt zu erschaffen.

12. Januar 2017
Aus jeder Unfähigkeit läßt sich eine Ideologie destillieren.

11. Januar 2017
Lebend an einem Etappenziel anzukommen kann nicht schaden. Lebend heraus und davon zu kommen ist wichtiger.

10. Januar 2017
Es mag sein, daß Rafsandschani an Gott geglaubt hat. Aber glaubt jemand, daß Gott ihm je ein Wort geglaubt hat?

9. Januar 2017
Griechisch ist, das Göttliche in den umbauten Raum in Menschenmaßen zu versetzen - der Orient ließ Gott und die Götter im göttlich weiten offenen Raum der himmelsüberwölbten Ebene.

8. Januar 2017
Der Spruch KOMMEN SIE GUT HINEIN scheint sich für uns eher auf ein Zuchthaus als auf einen Freizeitpark zu beziehen.

7. Januar 2017
Es ist gleichzeitig beides: Nichts Neues unter der Sonne, so nah und bekannt all das, was vor zweitausend Jahren geschah, selbst die Höhlenzeit nachfühlbar, und gleichzeitig kommen wir nicht einmal zurück ins neunzehnte Jahrhundert. Ganz ähnlich werden selbst unsere privaten frühen Jahre unerreichbar in der Erinnerung - diesem Kontrapunkt zum Mitleben und Miterleben.

6. Januar 2017
"Wie friedlich das Land war", sagt der Pedant, dessen einzige Handlung das Aufschreiben von Beschreibungen und Wasserständen ist.

5. Januar 2017
"Seit wann kennen wir uns nicht mehr?"

4. Januar 2017
Es sind gerade die halbgebildeten, flexiblen Geister, die allzuleicht den Ideologien und dem Fanatismus anheimfallen. Die einfachen, naiven geraten zwar durch Unwissen und Gutgläubigkeit oft genug hinein in den Schlamassel und in die Marschkolonnen, aber auch eher heraus, da sie sich nicht selbst verführen, sondern durch ihren Ehrgeiz verführt wurden. Sie sind näher an den Landsknechtsrabauken (siehe Radziwill und seinen Oldenburger Gauleiter) als an den kalten Todesmaschinisten.

3. Januar 2017
Tolkiens bemerkenswerter Hinweis, lieber den dauerhaft grauen Zauberern zu vertrauen, als den einstmals und angeblich immer noch weißen.

2. Januar 2017
Vielleicht partizipieren wir im Traum an einem großflächigen unsichtbaren Strom-Netz.

1. Januar 2017
Jubiläen: Eher Trauer über das NICHT MEHR und NIE WIEDER als Zufriedenheit über das IMMERHIN NOCH.


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