Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

ZUM TAGEHEFT
In den Tageheften habe ich seit dem 1. Mai 2011 Tag für Tag festgehalten, was mir wichtig war - in einem oder mehreren Sätzen. Hier im Netz sind diese Texte seit April 2013 erschienen. Das erste Tageheft (2011-2012) ist 2016 als Buch erschienen, das zweite (2013-2014) 2017 (siehe unter BÜCHER).

28. Februar 2017
Der Fremde hat immer einen Kredit und mildernde Umstände. Wenn es aber einer der Unseren ist, der uns verrät, so trifft uns das, als seien wir selbst es gewesen, die die Ordnung zerstörten.

27. Februar 2017
Noch immer fühlt, wer allein ist, sich freier.

26. Februar 2017
Ein Destillat verlangen und zugleich den ganzen Dreck schmecken wollen – welch eine Absurdität.

25. Februar 2017
Wir wollen ein unberührtes Land besiedeln. Sprich: Wir wollen die ersten sein, die es zerstören dürfen.

24. Februar 2017
Sie, die sich weigern, mit den an den Rand Gedrängten auch nur zu reden, werden bei geänderten Machtverhältnissen betteln, daß man ihnen ein Wort gönnt.

23. Februar 2017
Wären wir, was wir sein könnten, wir wären nicht wir.

22. Februar 2017
Kein Gericht anzuerkennen, kein einziges, macht uns für uns unschuldig.

21. Februar 2017
Nicht ins Rennen zu gehen erspart und verhindert die Niederlage.

20. Februar 2017
Aus dem Abgrund ist dessen unerreichbarer Rand ein großartiges Ziel.

19. Februar 2017
Als er lange auf die Schrecken des Krieges geschaut hatte, wußte er nicht mehr zu sagen, was SCHRECKEN und KRIEG seien.

18. Februar 2017
Keine Produktion ohne Ausfall und Ausschuß. Wie man auch das Sprechen als gescheitertes Schweigen deuten kann.

17. Februar 2017
Wie können wir etwas FEST nennen, das mit uns verschwindet?

16. Februar 2017
Freundschaft ist die Benennung eines Gefühls, keine meßbare Größe.

15. Februar 2017
Weil wir uns selbst fremd sind, begreifen wir, daß wir von Fremden umgeben sind.

14. Februar 2017
Schlimmer als alle Anfeindung wäre es, wie Stelzhamer es schreibt, wenn keiner schaute, nicht einmal die Hunde bellten und nur noch unser Schatten unsere Existenz bewiese.

13. Februar 2017
Durch die Wiederholung verliert sich die Erinnerung an die Essenz, die Qualität und die Färbung des Moments.

12. Februar 2017
Endgültig und vollständig verloren ist ein Krieg, wenn die Besiegten sich verloren geben, nicht mehr trauern und nicht mehr kämpfen wollen dafür, daß sie es sind, die von sich und ihrer Zeit erzählen.

11. Februar 2017
Die Frage danach, wer begonnen hat, beantwortet nicht die Frage nach dem Erzeuger. In einem Vaterschaftsprozeß könnte sie gestellt werden, aber niemand würde aus ihrer Beantwortung ableiten wollen, wer für das Kind aufkommen muß.

10. Februar 2017
Schuldlosigkeit oder Schuldenlosigkeit – was werden die meisten bevorzugen?

9. Februar 2017
Die frisch gestrichene weiße Wand: Schön durch Einfachheit und Leere. Die grau-schwarz abblätternde: Schön durch die Vielzahl ihrer Narben und Flecken.

8. Februar 2017
Je nach Blickwinkel kann man auch in den Indianern die Gründer und Erbauer der Reservate sehen.

7. Februar 2017
Mögliche oder möglich gewesene Leistungen – das gehört in das Reich der Fabeln und der Fiktion. Allein die Überlebensrate der Geführten ist ein Maßstab für die Qualität eines Führers – weder seine Methodik, noch seine Moral.

6. Februar 2017
Der Sieg ist identisch mit dem Begriff „das Recht des Siegers“.

5. Februar 2017
Um einen Räuber zu erschlagen, muß man weder den Räuber noch seine Motive kennen.

4. Februar 2017
„Leider bleibt es nicht bei Taten.“ Die vergehen jetzt und gleich. Aber die verdorbenen Worte hallen nach durch die Jahrhunderte.

3. Februar 2017
„Steigen Sie aus, ehe Sie einsteigen!“ ist die einzige kluge Empfehlung bei diesem Hauptzug Richtung Küste.

2. Februar 2017
„Ich habe Sie nicht verstanden“, diese Standardantwort kommt von den Politikern wie von der Computerstimme.

1. Februar 2017
Nur aus dem Abstand, nur nach einem Rückgang ist ein Ausweg zu finden: Anders als die Fliege, die unablässig gegen das Glas des geöffneten Fensters kämpft.


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