Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

Romane · Kurze Prosa · Lyrik · Essays · Kinderbücher · Theatralisches
Künstlerische Photographie · Kopier-Kunst · (Material)Bilder



TAGEHEFT

31. August 2016
Jede Angleichung ist ein Raub.

30. August 2016
Es wird versucht, Verfolger und Selbstverfolger zu züchten. Diese Reproduktion muß unterbrochen werden.

29. August 2016
Partei zu nehmen dafür, keiner Partei anzugehören.

28. August 2016
Jeder ist eine Ausnahme, ein Ausnahmefall. Gerade deshalb ist er als Einzelner nicht geregelt, nach einer für Massenmenschen geeigneten Methodik anzugreifen.

27. August 2016
Darauf richtet sich die von oben angesagte Erziehung: nicht auf die innere Stimme zu hören und sie als so fremd zu erleben, als sei sie das Leitphänomen einer Psychose.

26. August 2016
Kommt keine Gegenwehr zustande, sprechen die Herrscher von einem guten Jahr und einem gelungenen Test.

25. August 2016
Die Parteisoldaten werden selten mit einem Soldatentod belohnt, aber immer mit einem Aussaugen aller Lebenssäfte.

24. August 2016
Auf der zentralen Ebene ist die Verletzbarkeit geringer, aber die Wunden sind tiefer und nachhaltiger.

23. August 2016
Unsere Schmerzen sind unser Gedächtnis. Sie lassen sich vergessen und sind unvergeßlich.

22. August 2016
Neu ist bei dem Neuen aus alten Elementen nur der neue Kleister und die neue Benennung.

21. August 2016
Wer nichts für sich will, will das Nichts.

20. August 2016
Die Gegner beunruhigt zu wissen, läßt uns ruhiger auf die Zukunft blicken und hoffen.

19. August 2016
Pessimistisch zu denken soll mutiger machen?

18. August 2016
Dem, der mit einem Messer auf ein Bild losgeht, sagt dieses Bild viel.

17. August 2016
Die Ausdehnung des Vernichtungssektors macht uns schneller leben.

16. August 2016
Daß die Identität unbestimmbar ist, stimmt. Aber es bedeutet nichts, da wir gleichwohl eine Identität haben, weil wir eine Identität brauchen.

15. August 2016
Wir können uns definieren, wir können sagen, was wir sind. Wir verändern mit unserer Selbstdefinition unsere Selbstdefinition.

14. August 2016
Die Suche nach den Wurzeln der Welt hat die Kosmiker weit hinaus ins Leere geführt.

13. August 2016
Die, deren Kulturverständnis im frühen Feudalismus steckengeblieben ist, halten uns vor, wir hätten das bornierte Kulturverständnis des neunzehnten Jahrhunderts.

12. August 2016
Keinen Spaß verstehen heißt gar nichts von der Welt verstehen.

11. August 2016
Wir sind uns im Weg. Wir sind nicht unser Weg.

10. August 2016
Nur theoretisch, nur als rhetorische Figur können wir von uns absehen.

9. August 2016
Das, was uns überschreitet, wie auch das, was fern genug ist, um durch uns hindurchzuwehen, können wir nicht bemerken.

8. August 2016
Es bleiben deine Füße – gleichgültig, auf welchen Boden sie treten und in welchen Schuhen sie stecken.

7. August 2016
Es kommt vor, daß der Ohnmächtige recht hat. Es kommt nicht vor, daß er Recht bekommt.

6. August 2016
Kaum einer, der das Bedeutende noch deuten kann.

5. August 2016
Das Leben ist auf der Flucht zu retten. Die eigene Haut läßt sich abwerfen und neu ersetzen.

4. August 2016
Er fand sich nicht mehr, aber damit die Ursache für die Vergeblichkeit seiner Suche nach der Welt.

3. August 2016
Größere und Größte finden sich unter den Zwergen.

2. August 2016
Wer kein Haus für sich hat, hat keinen Grund zu seiner Verteidigung.

1. August 2016
Als ich jung war, hielt mich aufrecht, daß ich an meine Zweifel glaubte. Älter werdend hält mich aufrecht, an das Glauben zu glauben.


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