Rolf Stolz     · · ·     Literatur und Photographie

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TAGEHEFT

30. April 2016
Es ist kein Verdienst, am Ende zu stehen und die Reihe abzuschließen. Auch die Leitfossile haben Bedeutung nur im Blick späterer Anordner.

29. April 2016
Wer alles wüßte, müßte notwendig für immer verstummen.

28. April 2016
Antworten auf das Unbeantwortbare, die womöglich noch als unhinterfragbar deklariert werden, sind ein Verbrechen.

27. April 2016
In den Momenten der Kraft, wenn wir leichthin das Nötige tun können, stolpern wir mächtig.

26. April 2016
Wenn der mögliche Tod des einen den sicheren Tod des anderen bedeutet, wie willst du Leben gegen Leben aufrechnen? Willst du deine Hände in Unschuld waschen und stumm fortgehen?

25. April 2016
Du bist ein Mensch, du kannst all das. Zwei Voraus-Setzungen.

24. April 2016
Sich wehren müssen ist ein stärkeres Argument, als es zu können.

23. April 2016
Kein Trost? Aber du hast doch, als du darüber sprachst, schon getröstet.

22. April 2016
Die Geschichte und ihr Reichtum an Opfern, auch unter den Invasoren. Sollen wir, können wir auch um sie weinen?

21. April 2016
Jeder Satz ist ein Akt des Widerstands gegen das Verschweigen und Verstummen.

20. April 2016
Die Schwarzen bleiben schwarz, trotz aller Farbigkeit aller Benennungen.

19. April 2016
Navid K. wird uns als Deutschlands Denker des Vaterlands verkauft. Zwar ist dessen Lage noch elender als die Substanz dieses „Denkers“, der lediglich als Rhetor und Prediger knapp das Mittelmaß überschreitet, aber seit wann qualifiziert Demenz den selbsternannten Arzt zum Lebensretter? Dem glauben, der ungläubig glotzt?

18. April 2016
Gegen das, was von sich aus und unbeeinflußt geschieht, müßte gehandelt werden. Statt zu handeln, statt das Handeln freizugeben mit allen seinen Risiken, werden die Agonie und die Tabus verewigt, und es wird ein Gerede begonnen über Schwierigkeiten der Kommunikation.

17. April 2016
Es müssen außergewöhnliche Umstände für ein Abweichen von der Regel angeführt werden, wenn einer sagt, etwas sei sowohl gut und gerecht als auch zeitgemäß.

16. April 2016
Als die Menschen GNADE UNS GOTT sagten, unterlagen sie noch nicht dem Allmachtswahn, von nichts und niemandem abhängig zu sein und alles in der Hand zu haben.

15. April 2016
Flucht bleibt Flucht. Noch die Urenkel schämen sich ihrer und beschweigen sie mehr als die fluchwürdigsten Taten, mögen sie nicht mit abgeleiteten Nebengründen erklären.

14. April 2016
Die Dome und die Scheiterhaufen gehören zusammen – sehr vermittelt, sehr widersprüchlich, aber doch.

13. April 2016
Der Weg vorher: Wie leicht! Wie leicht der Weg danach. Allerdings der Übergang!

12. April 2016
Wir gehen in die Nacht. Die meisten lügen sich an, die Nacht sei das Licht oder sie wüßten, daß hinter ihr das Licht begänne.

11. April 2016
Die Aufklärung kommt zu sich, sobald sie den Humanismus transzendiert.

10. April 2016
Faschismus, Stalinismus und Genderismus beweisen, daß der alte beschränkte Humanismus durchaus zu unterbieten ist.

9. April 2016
Welch eine großartige Philosophie wäre der Humanismus, wäre nicht Zielpunkt, Gegenstand und Fundament dieser Doktrin – der Mensch nämlich – so elend.

8. April 2016
Wie sollte der, der sich immerhin einmal gefunden hat (die vielen, denen das nie gelingt, haben nicht einmal darauf eine kleine Chance) in der Lage sein, sich neu zu erfinden? Die große Kunst ist es, so zu variieren, daß die Wiederholungen stets neu und anders erscheinen.

7. April 2016
Geschichte und Geschichten: Stets nur Unterbrechung, nie ein Ende.

6. April 2016
An die Front denken, über die Front sprechen, ehe man dort ankommt?

5. April 2016
Wer ein Vorurteil, das über ihn bestehen könnte, fürchtet, ist schon verloren.

4. April 2016
Die Versuchung der schnellen, kräftigen Verspottung: Etwa Paulus Buschers „Hurra HJ Sprung auf marsch, marsch! / Im Osten gibts den kalten Arsch.“ Recht zu haben darin, jemanden zu schlagen - andererseits ihn gleichzeitig oder nachträglich zu gewinnen, ist in aller Regel ein diametraler Widerspruch.

3. April 2016
Hat der Baumwürger recht oder der Baum? Die Beseitigung des Baumwürgers beseitigt den Schmarotzer, dessen Beseitigung hilft dem Baum. Jedenfalls wird aus dem abrupten, einseitig im Interesse des Baumes liegenden Geschehen niemals eine Rechtsfrage.

2. April 2016
Die Übersteigerung ins Absolute: Eine deutsche Untugend – in beiden Richtungen.

1. April 2016
Wir gut es dir tut gutzutun! Dir!



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